{"id":2327,"date":"2020-09-15T12:43:37","date_gmt":"2020-09-15T10:43:37","guid":{"rendered":"http:\/\/marioporten.de\/?p=2327"},"modified":"2020-09-15T12:43:38","modified_gmt":"2020-09-15T10:43:38","slug":"psychische-erkrankungen-koennen-niemanden-ueberraschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marioporten.de\/?p=2327","title":{"rendered":"Psychische Erkrankungen k\u00f6nnen niemanden \u00fcberraschen"},"content":{"rendered":"\n<p>In seiner aktuellen Ausgabe (Nr.38 vom 12.09.2020, Seite 68f) greift <em>Der Spiegel <\/em>das Thema psychische Erkrankungen insb. von F\u00fchrungskr\u00e4ften auf.  Er nimmt Bezug auf aktuelle, noch nicht ver\u00f6ffentlichte Zahlen der Krankenkasse DAK. Die Steigerungen der Ausfallzeiten der verschiedenen psychischen Ursachen sind enorm und betragen jeweils mehrere hundert Prozent (2000 zu 2019). In Summe nahm die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen von 1997 auf 2019 um 239% zu, w\u00e4hrend bei den sonstigen Krankheitsursachen kein Anstieg der Fehltage zu verzeichnen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zahlen m\u00f6gen erschrecken, sind aber eigentlich &#8220;kalter Kaffee&#8221;, denn Ihrer Tendenz nach sind sie schon lange bekannt. Die DAK publiziert ihre Statisiken ja regelm\u00e4\u00dfig und so kann man auf der Webseite der DAK die entsprechenden Ergebnisse einsehen. Diese sprechen schon lange eine deutliche Sprache.<\/p>\n\n\n\n<p>So zeigen die beiden folgenden Charts der DAK bereits f\u00fcr 2018 (im Bezug auf 2000) in diesem Bereich signifikante Steigerungen. Dass F\u00fchrungskr\u00e4fte oftmals besonders betroffen sind, vermag angesichts ihrer vielfach vorhandenen Sandwichposition mit Druck von beiden Seiten nicht zu verwundern.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/DAK-Zunahme-2018-1024x746.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2331\" width=\"471\" height=\"342\" srcset=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/DAK-Zunahme-2018-1024x746.jpg 1024w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/DAK-Zunahme-2018-300x219.jpg 300w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/DAK-Zunahme-2018-768x560.jpg 768w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/DAK-Zunahme-2018-1536x1120.jpg 1536w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/DAK-Zunahme-2018-2048x1493.jpg 2048w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/DAK-Zunahme-2018-1200x875.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 471px) 85vw, 471px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/DAK-Verteilung-2018-1024x751.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2332\" width=\"478\" height=\"351\" srcset=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/DAK-Verteilung-2018-1024x751.jpg 1024w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/DAK-Verteilung-2018-300x220.jpg 300w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/DAK-Verteilung-2018-768x563.jpg 768w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/DAK-Verteilung-2018-1536x1127.jpg 1536w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/DAK-Verteilung-2018-2048x1503.jpg 2048w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/DAK-Verteilung-2018-1200x880.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 478px) 85vw, 478px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Interessant sind jedoch auch zwei andere Erkenntnisse, die sich aus den DAK Zahlen gewinnen lassen: So sind offenbar Frauen signifikant h\u00e4ufiger von psychischen Erkrankungen betroffen und fehlten fast doppelt so oft aufgrund von Seelenleiden wie ihre m\u00e4nnlichen Kollegen. Bemerkenswert auch, dass ausgerechnet die \u00f6ffentliche Verwaltung mit deutlichem Abstand die Statistik der Ausfalltage aufgrund psychischer Erkrankungen anf\u00fchrt. Hier waren auf 100 Besch\u00e4ftigte 358 Ausfalltage zu verzeichnen, ein Wert der damit um ca. 50% \u00fcber dem Mittelwert von 236 Tagen liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Fragt sich also nun, was wohl aktuell f\u00fcr die Entwicklung dieser Zahlen zu erwarten ist? Ist vielleicht durch Corona alles besser geworden, weil im Homeoffice vieles einfacher geworden ist? Sind viele Belastungsfaktoren durch deutlich mehr virtuelles Arbeiten weggefallen? Zahlen liegen daf\u00fcr nat\u00fcrlich noch nicht vor, aber ernsthaft erwarten kann das eigentlich niemand. Ob wir es wollen oder nicht, die Corona-Krise war sachlich ein sehr heftiger, kurzfristiger und ungeplanter Changeprozess und der Verlauf von Ver\u00e4nderungsprozessen ist inzwischen bekanntlich sehr gut erforscht. Die Leistungskurve geht zun\u00e4chst abw\u00e4rts, die Stresskurve hingegen aufw\u00e4rts. Unsicherheit und \u00c4ngste k\u00f6nnen nicht positiv auf das Thema psychische Erkrankungen einzahlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch hier wird &#8211; wenig verwunderlich &#8211; ein Kermfokus wieder auf den F\u00fchrungskr\u00e4ften liegen. Viele waren und sind mit der neuen Techik \u00fcberfordert. Viele mussten pl\u00f6tzlich ein F\u00fchrungsmodell (auf Distanz) leben, das sie nie zuvor ge\u00fcbt hatten. Dazu kommen immer mehr Klagen, dass es eben doch nicht so einfach ist, konzentriert zu arbeiten, wenn Ehepartner und Kinder st\u00e4ndig f\u00fcr Ablenkung sorgen und als St\u00f6rfaktor der Konzentration auftreten. Thematisiert wird das freilich in den letzten Monaten h\u00e4ufiger, aber ich glaube, immer noch viel weniger, als es eigentlich Fakt ist. Wer r\u00e4umt schon gerne eigene Defizite ein, dann doch lieber die Fassade pflegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon in der Ver\u00f6ffentlichung der Zahlen 2018 sagte DAK Vorstandschef Andreas Storm: &#8220;Auch Arbeitgber m\u00fcssen psychische Belastungen und Probleme aus der Tabuzone holen und ihren Mitarbeitern Hilfe anbieten.&#8221; Es ist zu vermuten, dass dies heute mehr gilt, denn je!<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wie sieht die Praxis &#8211; jedenfalls in vielen Unternehmen &#8211; immer noch aus? Gibt es diese Hilfsangebote? Da bin ich nat\u00fcrlich nicht berechtigt und bef\u00e4higt ein Urteil abzugeben, jedenfalls ist anzunehmen, dass das fl\u00e4chendeckend nicht der Fall ist. Vielmehr wird oftmals immer noch versucht, aufkommende Probleme mit &#8220;mehr vom gleichen&#8221; zu l\u00f6sen, also insbesondere mehr arbeiten. Das hilft aber nicht, denn neue Herausforderungen lassen sich mit L\u00f6sungen von gestern nicht bew\u00e4ltigen. Und dann f\u00fchrt mehr arbeiten nur zu mehr Misserfolgserlebnissen, zu mehr Frust und geht auf die Psyche. Gut w\u00e4re vielmehr ein Ansatz wie er im Coaching angeraten wird: &#8220;Wenn etwas nicht funktioniert, versuche etwas anderes!&#8221; Das aber ist vielen F\u00fchrungskr\u00e4ften unter Stress gerade nicht m\u00f6glich, jedenfalls nicht alleine. Es br\u00e4uchte Hilfe und Kooperation mit anderen und das m\u00fcssen nicht zwingend Externe sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Hilfreich k\u00f6nnten z.B. Mentoren sein, wenn es sie denn gibt und sie ihre Funktion auch wahrnehmen. Auch regelm\u00e4\u00dfige Kollegiale Fallberatungen, die intern moderiert werden, w\u00fcrden sich als Plattform f\u00fcr den Austausch anbieten. Viele Unternehmen haben &#8220;Buddie-Patenschaften&#8221;, also zwei KollegenInnen, die sich gegenseitig vertraulich helfen und beraten sollen, nutzen diese &#8211; gerade in diesen Zeiten &#8211; aber nicht. Jeder hat genug mit sich zu tun. Wollen wir jedoch psychische Erkrankungen reduzieren, dann ist besonders die Isolation von F\u00fchrungskr\u00e4ften unbedingt zu vermeiden. Alleine bin ich meist verloren.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"424\" height=\"283\" src=\"http:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/Fotolia_20462455_XS-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1529\" srcset=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/Fotolia_20462455_XS-1.jpg 424w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/Fotolia_20462455_XS-1-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 424px) 85vw, 424px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen auch externe Partner eine Hilfe sein und da bedarf es meist keiner gro\u00dfen Coachingprozesse mit horrenden Budgets, wie etwa das hervorragende Format &#8220;Coaching2go&#8221; meiner gesch\u00e4tzten Kollegin <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/kristin-scheerhorn.com\/project\/be-u\/\" target=\"_blank\">Kristin Scheerhorn <\/a>zeigt. Auch 100% meiner Klienten, die mein Kurzformat &#8220;<a href=\"http:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/download-business-sparring.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Business-Sparring<\/a>&#8221; in Anspruch nehmen, werden ihnen erkl\u00e4ren, dass ihnen damit sehr geholfen ist. Nur alleine sollten wir die Menschen in diesen schwierigen Zeiten ganz sicher nicht lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es bleibt abzuwarten, wie sich die Zahlen 2020 wirklich entwickelt haben, was wir ja leider erst im Nachhinein wissen werden. Vielleicht m\u00fcssen wir ja darauf auch gar nicht warten und die Unternehmen folgen dem Aufruf von Andreas Storm schon fr\u00fcher: &#8220;Raus aus der Tabuzone mit den psychischen Erkrankungen.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Sie haben ganz andere Erfahrungen gemacht als ich? Sie m\u00f6chten von positiven Beispielen, vielleicht sogar in ihrem Unternehmen, berichten? Oder einfach so mit mir diskutieren? <\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcrde mich freuen &#8211; kommentiere Sie gerne &#8211; diskutieren Sie mit!<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/AdobeStock_104765787-1024x645.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2334\" width=\"447\" height=\"281\" srcset=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/AdobeStock_104765787-1024x645.jpeg 1024w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/AdobeStock_104765787-300x189.jpeg 300w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/AdobeStock_104765787-768x484.jpeg 768w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/AdobeStock_104765787-1536x968.jpeg 1536w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/AdobeStock_104765787-2048x1290.jpeg 2048w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/AdobeStock_104765787-1200x756.jpeg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 447px) 85vw, 447px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seiner aktuellen Ausgabe (Nr.38 vom 12.09.2020, Seite 68f) greift Der Spiegel das Thema psychische Erkrankungen insb. von F\u00fchrungskr\u00e4ften auf. 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