{"id":2407,"date":"2020-10-24T07:22:55","date_gmt":"2020-10-24T05:22:55","guid":{"rendered":"http:\/\/marioporten.de\/?p=2407"},"modified":"2020-10-24T07:22:56","modified_gmt":"2020-10-24T05:22:56","slug":"der-mp-impuls-zum-wochenende-39","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marioporten.de\/?p=2407","title":{"rendered":"Der MP Impuls zum Wochenende"},"content":{"rendered":"\n<p>Stink sauer knallte mein Klient den Telefonh\u00f6rer auf die Gabel, sprang aus seinem Sessel auf und zeterte los. Er hatte vielleicht kurzzeitig vergessen, dass ich auch im Raum war, denn ich war als Trainer on the Job nur alle paar Wochen f\u00fcr einen Tag zu Besuch. Er lie\u00df kein gutes Haar an seinem Mitarbeiter, mit dem er gerade telefoniert hatte, die w\u00fcsten Details erspare ich Ihnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was war passiert? Mein Klient, immerhin Vertriebschef eines ganzen Bundeslandes in einem Dax-Konzern, hatte seine Mails bearbeitet und eines seines Mitarbeiters gelesen. Ich wei\u00df nicht, was er gelesen hatte, doch noch mit den Augen auf dem Bildschirm griff er zum Telefonh\u00f6rer, dr\u00fcckte die Schnellwahltaste und keine zwei Sekunden sp\u00e4ter br\u00fcllte er auch schon los. Von einem Gespr\u00e4ch kann man nicht sprechen, es war eher ein etwa dreimin\u00fctiger Monolog \u00fcber Versagen, Dummheit und Faulheit, wobei mein Kunde f\u00fcr diese Begriffe deutlich unsch\u00f6nere Formulierungen fand, die ich nicht wiedergeben m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem er also weitere f\u00fcnf Minuten in seinem B\u00fcro auf und ab gelaufen war und dabei laut gezetert hatte, kehrte Ruhe ein. Er sah mich an und realisierte, dass ich noch da war, was er auch aussprach.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Sie sind ja noch da&#8221;, sagte er. &#8220;Allerdings nur mit M\u00fche&#8221;, gab ich zur\u00fcck. Danach konnten wir in Ruhe \u00fcber diesen Vorfall reden.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus seiner Sicht hatte sein Mitarbeiter mal wieder viele Ausreden gefunden, um zu erkl\u00e4ren, warum seine Verkaufszahlen nicht stimmten.  So ging das schon seit Monaten und mein Klient war mit der Leistung seines Mitarbeiters vollkommen unzufrieden. Gespr\u00e4che gab es schon viele, Besserungen nicht. Die heutige Mail hatte dann das &#8220;Fass zum \u00dcberlaufen&#8221; gebracht und er hatte sich gehen lassen. Vielleicht alles nachvollziehbar &#8211; akzeptabel ist es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir k\u00f6nnen es nicht verhindern. Wenn wir etwas wahrnehmen, laufen automatisch die Vorg\u00e4nge der Interpretation (wir denken also etwas \u00fcber das, was wir wahrnehmen)  und der Emotion (es l\u00f6st also ein Gef\u00fchl in uns aus) ab. Das passiert vollkommen automatisch und ist nicht steuerbar, auch wenn viele Menschen immer wieder behaupten, Sie h\u00e4tten ihre Emotionen unter Kontrolle. Wir wissen heute, dass das nicht stimmt. Der gesamte Vorgang dauert etwa eine halbe Sekunde. Ob wir wollen oder nicht, die Emotionen sind einfach da. Der Versuch sie vermeiden zu wollen, ist definitiv zum Scheitern verurteilt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/smiley-2979107-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2457\" width=\"549\" height=\"308\" srcset=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/smiley-2979107-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/smiley-2979107-300x169.jpg 300w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/smiley-2979107-768x432.jpg 768w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/smiley-2979107-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/smiley-2979107-2048x1152.jpg 2048w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/smiley-2979107-1200x675.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 549px) 85vw, 549px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Bis hier hin ist das auch nicht schlimm, denn noch sind wir auf der inneren Ebene, die Emotionen sind in uns. Erst wenn wir sie rauslassen, dann wird aus der Emotion eine Reaktion mit Au\u00dfenwirkung und die sollten wir steuern. Genau das hatte mein Klient nicht getan. Er hatte seinen Emotionen, die ausschlie\u00dflich negativ waren, freien Lauf gelassen, seine Reaktion nicht mehr steuern k\u00f6nnen und deshalb war ihm die Situation so entglitten.<\/p>\n\n\n\n<p>Was kann uns nun davor bewahren, aus der Emotion raus unangemessen zu reagieren? Das ist relativ einfach, es ist die Zeit! Wenn wir uns etwas Zeit nehmen, flauen die ersten Emotionen ab und wir k\u00f6nnen viel mehr aus unserem Denken heraus reagieren. Das ist im allgemeinen bewusster, gesteuerter und oft gem\u00e4\u00dfigter.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie also k\u00f6nnen Sie Zeit gewinnen, hier ein paar Vorschl\u00e4ge:<\/p>\n\n\n\n<p>-&gt; Atmen Sie einmal ganz tief ein und sehr bewusst langsam wieder aus. Das dauert kaum f\u00fcnf Sekunden und doch werden Sie sofort merken, wie sie die erste Wut regelrecht ausatmen.<\/p>\n\n\n\n<p>-&gt; Stehen Sie auf und gehen Sie einmal zum Fenster, schauen Sie drei Sekunden hinaus. Wenn Sie das im Gespr\u00e4ch tun, wird Sie Ihr Gespr\u00e4chspartner, \u00fcber den sie sich gerade ge\u00e4rgert haben, vielleicht sogar fragen, was los ist. Wunderbar, jetzt k\u00f6nnen Sie erstmal erkl\u00e4ren, dass Sie sich gerade \u00e4rgern und schon geht weitere Zeit ins Land, die Ihnen hilft, Kontrolle zu behalten.<\/p>\n\n\n\n<p>-&gt; Wenn es &#8220;ganz hart&#8221; kommt, verlassen Sie den Raum, gehen Sie zur Toilette, holen Sie sich einen Kaffee oder \u00e4hnliches. Die gewonnene Zeit und die  zus\u00e4tzliche r\u00e4umliche Distanz helfen sicher.<\/p>\n\n\n\n<p>-&gt; Falls &#8211; wie in meinem Beispiel &#8211; ein Mail der Ausl\u00f6ser war, lassen Sie dieses bewusst unbeantwortet, ignorieren Sie es und lesen Sie es am n\u00e4chsten Tag erneut. In vielen F\u00e4llen lesen Sie zwar die gleichen Worte, aber Sie geben Ihnen nicht mehr die gleiche emotionale Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>ZEIT ist das einzige Mittel, das uns hilft unsere Reaktionen zu steuern. Was gesagt ist gesagt, der Schaden ist angerichtet. Reaktionskontrolle ist wichtig und bewahrt uns vor vielen unangenehmen Konsequenzen. Nicht umsonst hei\u00dft es ja auch, dass man vor wirklich wichtigen Entscheidungen noch einmal dar\u00fcber schlafen soll. Das ist im Prinzip der gleiche Effekt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich fasse das gern in der BIER-REGEL zusammen:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/BIER-Regel-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2411\" width=\"513\" height=\"288\" srcset=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/BIER-Regel-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/BIER-Regel-300x169.jpg 300w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/BIER-Regel-768x432.jpg 768w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/BIER-Regel-1200x675.jpg 1200w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/BIER-Regel.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 513px) 85vw, 513px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche Ihnen ein sch\u00f6nes Wochenende!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stink sauer knallte mein Klient den Telefonh\u00f6rer auf die Gabel, sprang aus seinem Sessel auf und zeterte los. 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