{"id":2523,"date":"2020-11-14T05:00:00","date_gmt":"2020-11-14T04:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marioporten.de\/?p=2523"},"modified":"2020-11-05T07:22:48","modified_gmt":"2020-11-05T06:22:48","slug":"der-mp-impuls-zum-wochenende-42","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marioporten.de\/?p=2523","title":{"rendered":"Der MP Impuls zum Wochenende"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn am Wochenende um 6 Uhr morgens eine Whatsapp eines Coachingnehmers bei mir eingeht, ist das selten ein gutes Zeichen. So war es auch diesmal. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir kennen uns schon viele Jahre, immer wieder habe ich ihn bei wichtigen Entscheidungen ein St\u00fcck begleitet, inzwischen arbeiten wir viele Jahre zusammen. Das Vertrauensverh\u00e4ltnis ist gro\u00df. Die Botschaft war entsprechend kurz, er konnte darauf vertrauen, dass ich verstand: &#8220;Sorry, wenn Du wach bist, bitte ruf mich an.&#8221; Das tat ich.<\/p>\n\n\n\n<p>Er war emotional sehr angegriffen, seine Stimme bebte am Telefon. Schon l\u00e4nger k\u00e4mpfte er damit, dass ein guter Freund, den er mehr als sein halbes Leben lang kannte, sich sehr ver\u00e4ndert hatte. Er war inzwischen bereits mehrfach von ihm entt\u00e4uscht worden und das Verh\u00e4ltnis war abgek\u00fchlt. Jetzt bot dieser Freund auch noch seinem Sohn eine Immobilie zum Kauf an, wobei der Freund gleich nebenan wohnte. Die Immobilie lag &#8220;irgendwo im Nirgendwo&#8221; und war aus Sicht meines Klienten viel zu teuer. Leider hatten weder sein Freund noch sein Sohn ihm irgendetwas davon erz\u00e4hlt. Er erfuhr es nur nebenbei. Jetzt war er nat\u00fcrlich auch von seinem Sohn entt\u00e4uscht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich brauchte ein paar Minuten, ihn zu beruhigen, bevor wir mit dem Sortieren der Themen beginnen konnten. Mein Klient hatte wirtschaftliche Angst um sein Kind, weil die Immobilie \u00fcberteuert und alt war. Er hatte aber auch Angst, dass sein Sohn und sein Freund sich gegen ihn verb\u00fcnden k\u00f6nnten und sein Freund, der sich schon weit von ihm entfremdet hatte, sein Kind gegen ihn aufbringen k\u00f6nnte. Schlie\u00dflich arbeiten Vater und Sohn auch noch zusammen in der eigenen Firma und er hatte zus\u00e4tzlich die Sorge, dass die Zusammenarbeit zerbrechen und die Firma Schaden nehmen k\u00f6nnte. Uns letztlich war er vor allem menschlich zutiefst verletzt. Guter Rat war teuer.<\/p>\n\n\n\n<p>Solch komplexe Situationen liegen zwar nicht sehr h\u00e4ufig vor, sind in der Praxis aber auch keine Seltenheit. Im Falle meines Klienten \u00fcberlagerten sich systemisch zun\u00e4chst das Arbeits- und das Familiensystem, was allein schon oft genug konfliktbeladen ist. Nun kam aber auch noch eine tiefe pers\u00f6nliche Entt\u00e4uschung und Betroffenheit hinzu und dies gleich doppelt: Er war verletzt und das sowohl mit Blick auf seinen Freund als auch seinen Sohn. Verst\u00e4ndlicher Weise waren viele Gef\u00fchle im Spiel. Auch sein besch\u00fctzender v\u00e4terlicher Anteil war alarmiert, er wollte sein Kind vor Schaden bewahren. Und schlie\u00dflich kamen eigene wirtschaftliche Sorgen hinzu, denn f\u00fcr ihn war gegebenenfalls auch die wirtschaftliche Basis seines Unternehmens in Gefahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine derart komplexe Situation \u00fcberfordert fast jeden und f\u00fchrt nur allzu oft zur absoluten Handlungsunf\u00e4higkeit. Zu viele Themen gleichzeitig, zu viele negative Gef\u00fchle und kein klarer Blick mehr. In einer derartigen Situation ist die Gefahr von \u00dcberreaktionen und Fehlentscheidungen besonders gro\u00df. Vorschnelle Handlungen und Entscheidungen m\u00fcssen vermieden werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit meinem Klienten zerlegte ich dann auch erstmal das Paket in seine Einzelteile. Er brauchte zun\u00e4chst vor allem Anerkennung f\u00fcr die eigene menschliche Entt\u00e4uschung. Danach war schnell klar, dass es vor allem die v\u00e4terliche Sorge um sein Kind, das er vor Schaden bewahren wollte, war, die jetzt bearbeitet werden musste. Da er selbst aktuell keinen guten Zugang zu seinem Sohn hatte, fanden wir einen alternativen Gespr\u00e4chspartner. Das war f\u00fcr ihn eine gute L\u00f6sung. Die anderen Aspekte hatten danach keine Energie mehr und mussten also an diesem fr\u00fchen Morgen nicht bearbeitet werden.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/Fotolia_158610392_S.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1533\" width=\"510\" height=\"306\" srcset=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/Fotolia_158610392_S.jpg 894w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/Fotolia_158610392_S-300x180.jpg 300w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/Fotolia_158610392_S-768x461.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 85vw, 510px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die emotionale \u00dcberlastungssituation und akute Handlungsunf\u00e4higkeit waren zun\u00e4chst einmal aufgel\u00f6st. Damit war ihm in diesem Moment sehr geholfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie geht es Ihnen gerade? Vielleicht haben auch Sie emotionale und rationale Themen, die sich gerade \u00fcberlagern? Vielleicht hat auch Sie gerade jemand sehr entt\u00e4uscht? Oder die Pandemie macht Ihnen Sorgen wirtschaftlicher Art?<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal ist es f\u00fcr uns alle &#8220;einfach zu viel&#8221;. Dann ist es wichtig, die Themen zun\u00e4chst auseinanderzunehmen und gut zu \u00fcberlegen, was ich selbst jetzt unbedingt brauche. Mein Klient brauchte zun\u00e4chst Anerkennung f\u00fcr die eigene menschliche Entt\u00e4uschung &#8211; Sie erinnern sich. Erst wenn ich selbst wieder gest\u00e4rkt, anerkannt und wahrgenommen bin, ist der Blick wieder frei f\u00fcr die sinnvollen n\u00e4chsten Schritte. Die Komplexit\u00e4t l\u00f6st sich auf, die Handlungsf\u00e4higkeit kehrt zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Sinne w\u00fcnsche ich Ihnen, dass Sie sich selbst stets gut wahrnehmen und anerkennen k\u00f6nnen und nat\u00fcrlich ein sch\u00f6nes Wochenende!<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/AdobeStock_87669960-1024x680.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1870\" width=\"460\" height=\"305\" srcset=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/AdobeStock_87669960-1024x680.jpeg 1024w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/AdobeStock_87669960-300x199.jpeg 300w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/AdobeStock_87669960-768x510.jpeg 768w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/AdobeStock_87669960-1536x1020.jpeg 1536w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/AdobeStock_87669960-2048x1360.jpeg 2048w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/AdobeStock_87669960-1200x797.jpeg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 460px) 85vw, 460px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn am Wochenende um 6 Uhr morgens eine Whatsapp eines Coachingnehmers bei mir eingeht, ist das selten ein gutes Zeichen. 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