{"id":2595,"date":"2020-12-12T05:00:00","date_gmt":"2020-12-12T04:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marioporten.de\/?p=2595"},"modified":"2020-12-05T07:47:00","modified_gmt":"2020-12-05T06:47:00","slug":"der-mp-impuls-zum-wochenende-46","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marioporten.de\/?p=2595","title":{"rendered":"Der MP-Impuls zum Wochenende"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eIch bin so traurig, ich habe gerade \u00fcberhaupt keine Energie!\u201c, so begann ein neuer Klient das Kennenlerngespr\u00e4ch mit mir. Ich bat ihn, mir zu erz\u00e4hlen, was passiert war und er sprudelte los. Er hatte zu Beginn des letzten Jahres einen neuen Job angetreten. Die Stellenanzeige hatte gro\u00dfartig geklungen und von Gestaltungs- und Entwicklungsm\u00f6glichkeiten gesprochen. Im Einstellungsgespr\u00e4ch war seine designierte Chefin sehr freundlich gewesen, offen, wunderbare Ausstrahlung und hatte in h\u00f6chsten T\u00f6nen von ihrem Team geschw\u00e4rmt. Wie viel Spa\u00df es mache, mit den jungen engagierten Kollegen zusammenzuarbeiten. Er habe sich so gefreut, diese Stelle zu bekommen, er sei mit viel Elan angefangen und habe sich selbst schon in spannenden Projekten, agilen Arbeitsformaten und kundenorientierten Forschungen sehr spannende Entdeckungen machen sehen. Nun, knapp 10 Monate sp\u00e4ter, war von alledem wenig \u00fcbriggeblieben. Er war von dem neuen Arbeitgeber, dem neuen Team, seiner Chefin aber auch von sich selbst entt\u00e4uscht.<\/p>\n\n\n\n<p>So \u00e4hnlich ist es uns wahrscheinlich allen schon mal ergangen \u2013 wir sind mit gro\u00dfen Erwartungen gestartet und \u201ehart\u201c gelandet. Um besser zu verstehen, was in einem solchen Fall vor sich geht, machen wir einen kurzen und sehr oberfl\u00e4chlichen, aber auch v\u00f6llig ausreichenden, Exkurs in die Wissenschaft, die f\u00fcr uns in den letzten Jahren viele wesentliche Erkenntnisse hervorgebracht hat: die Hirnforschung. Aus ihr wissen wir n\u00e4mlich, dass auf einer obersten Aggregationsebene unser Gehirn (neben der Steuerung unser lebenserhaltenden Organfunktionen) zwei Ziele verfolgt: Gl\u00fccksmaximierung und Schmerzvermeidung. Wir alle haben also ein Gl\u00fccks- und ein Schmerzzentrum im Gehirn. Je nachdem, welches Zentrum aktiviert wird, kommt es zur Aussch\u00fcttung positiver (Gl\u00fccks-) Hormone oder negativer Hormone. Es geht uns im ersten Fall gut und im zweiten Fall schlecht. Wenn wir jetzt noch wissen, dass unser Gehirn zwischen k\u00f6rperlichem und psychischem Gl\u00fcck und Schmerz nicht wirklich unterscheidet, dann k\u00f6nnen wir auch schon einen Blick auf die Erwartungen richten.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/brain-4961452-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2597\" width=\"412\" height=\"274\" srcset=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/brain-4961452-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/brain-4961452-300x200.jpg 300w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/brain-4961452-768x512.jpg 768w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/brain-4961452-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/brain-4961452-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/brain-4961452-1200x800.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 412px) 85vw, 412px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Werden unsere Erwartungen erf\u00fcllt, wird unser Gl\u00fcckszentrum aktiviert, es kommt zur Aussch\u00fcttung positiver Hormone und wir f\u00fchlen uns gut. Umgekehrt wird unser Schmerzzentrum aktiviert und negative Hormone ausgesch\u00fcttet, wenn unsere Erwartungen entt\u00e4uscht werden. Wir f\u00fchlen uns also schlecht, um es ganz einfach auszudr\u00fccken und nicht tiefer in die wissenschaftlichen Details abzutauchen. Da die Hormonaussch\u00fcttungen in beiden F\u00e4llen zu unwillk\u00fcrlichen Prozessen in uns geh\u00f6ren, also von uns nicht beeinflussbar sind, kommt dem Umgang mit den Erwartungen eine zentrale Bedeutung f\u00fcr unser Befinden zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein neuer Klient hatte sich ganz offenbar schon einige Monate im Status permanent entt\u00e4uschter Erwartungen bewegt. Er war entt\u00e4uscht, von anderen und von sich selbst. Er wollte es nat\u00fcrlich nicht, aber er f\u00fcgte sich auf diese Art und Weise permanent \u201eSchmerzen\u201c zu und war voll mit negativen Hormonen, die schlie\u00dflich dazu f\u00fchrten, dass er aus der Abw\u00e4rtsspirale nicht mehr alleine entrinnen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>An seinem Beispiel wird auch klar, dass es f\u00fcr unser Erleben nur eine untergeordnete Rolle spielt, um wessen Erwartungen es sich handelt. Es gibt Menschen, die haben hohe Erwartungen an andere. An Ihre Kollegen was die Zusammenarbeit im Team angeht, an ihren Vorgesetzen was Lob und Anerkennung angeht, an ihre erwachsenen Kinder, was deren Verf\u00fcgbarkeit angeht oder an ihren Ehepartner in vielf\u00e4ltiger Form. Je mehr Erwartungen ich an andere habe, desto h\u00e4ufiger werde ich entt\u00e4uscht &#8211; mit den beschriebenen Folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite kennen wir sicher alle Menschen, die wir als Perfektionisten beschreiben w\u00fcrden. Diese Menschen haben sehr hohe Erwartungen an sich selbst, denen Sie nie oder nur h\u00e4chst selten gerecht werden k\u00f6nnen. Sie sind permanent von sich selbst entt\u00e4uscht und leben damit im selbstverursachten Dauerschmerzzustand. Den eigenen Erwartungen nicht gerecht zu werden, ist dabei oft die schlimmste Form aller Entt\u00e4uschungen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/180-Mario-19102020-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2596\" width=\"471\" height=\"628\" srcset=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/180-Mario-19102020-768x1024.jpg 768w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/180-Mario-19102020-225x300.jpg 225w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/180-Mario-19102020-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/180-Mario-19102020-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/180-Mario-19102020-1200x1600.jpg 1200w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/180-Mario-19102020-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 471px) 85vw, 471px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Ein sehr gutes Beispiel daf\u00fcr ist der seit vielen Jahren beste Dartsspieler der Welt, der Niederl\u00e4nder Michael van Gerwen. Viele Jahre gewann er Turniere nach Belieben und egal, wie gut sein Gegner auch spielte, er konnte immer noch zulegen und war besser. In 2020 war das \u00fcber weite Strecken des Jahres anders und er selbst r\u00e4umte irgendwann ein, eine Krise zu haben. Wenn man ihn spielen sah, dann gewann man schnell den Eindruck, dass er mit sich selbst nie zufrieden war, selbst dann nicht, wenn er gut spielte. Dass man ein acht Millimeter breites Feld auf einem Dartboard manchmal auch verfehlen kann, lie\u00df er f\u00fcr andere gelten, f\u00fcr sich selbst nicht. Jedenfalls schien es so und es kam, wie es kommen musste. Er war bald voller Entt\u00e4uschung \u00fcber sich selbst und voll mit negativen Hormonen. Er machte immer mehr Fehler und hatte lange Zeit gro\u00dfe M\u00fche, der Abw\u00e4rtsspirale zu entrinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das eigene Wohlbefinden ist der Umgang mit Erwartungen von zentraler Bedeutung. Ich m\u00f6chte damit keinesfalls sagen, dass Sie keine Erwartungen mehr haben sollen. Obwohl ich viele Menschen kenne, die mit diesem Status sehr gut durchs Leben kommen. Wer keine Erwartungen hat, kann nicht entt\u00e4uscht werden \u2013 Schmerzzentrum nicht aktivierbar!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich freue mich daher z.B. auch immer, wenn ich zu Beginn meiner Seminare nach den Erwartungen der Teilenehmer frage und der ein oder andere sagt, er habe keine. Er lasse das Seminar einfach auf sich zukommen. Oft habe ich schon mit Trainerkollegen diskutiert, die sich dar\u00fcber furchtbar aufregen k\u00f6nnen, weil sie solche Teilnehmer f\u00fcr desinteressiert halten und gar keine Lust haben, mit ihnen zu arbeiten. Merken Sie etwas? Meine Kollegen haben gro\u00dfe Erwartungen, wie ein perfekter Teilnehmer zu sein hat und ziehen sich schon runter, bevor sie ihn richtig kennengelernt haben. \u00c4ndert der Teilnehmer dadurch seine Einstellung? Nein, nat\u00fcrlich nicht und ein mieses Gef\u00fchl hat auch nur der Trainer \u2013 zu viele Erwartungen stehen uns oft im Wege! Ich finde Teilnehmer ohne Erwartungen gro\u00dfartig \u2013 einfach einlassen auf das, was kommt. Freispiel nenne ich das f\u00fcr mich als Trainer und Freispiele haben bei mir immer schon Gl\u00fccksgef\u00fchle ausgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"276\" height=\"182\" src=\"http:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/Powervoller-smiley.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2344\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Mein Pl\u00e4doyer ist aber nicht, dass Sie an Sich und Andere keine Erwartungen mehr haben sollen, das wird unserem menschlichen Zusammenleben auch nicht gerecht. Ich m\u00f6chte Sie vielmehr einladen, ihre Erwartungen gut zu dosieren und sich immer wieder zu fragen, welche und wie viele Erwartungen, es denn sein d\u00fcrfen. F\u00fcr diese Dosierung m\u00f6chte ich Ihnen zum Abschluss dieses Impulses noch einige Fragen mit auf den Weg geben, die auf klassische Erwartungsfelder abzielen, die sich bei manchen meiner Klienten als besonders entt\u00e4uschungsintensiv herausgestellt haben. Entscheiden &nbsp;Sie doch bitte selbst, mit welcher Frage Sie vielleicht in Resonanz gehen. Ich habe da keine Erwartungen an Sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Wochenende steht vor der T\u00fcr und was auch immer, Sie von ihm erwarten:<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche ihnen ein sch\u00f6nes Wochenende!<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/whiteboard-4876666-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2598\" width=\"521\" height=\"347\" srcset=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/whiteboard-4876666-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/whiteboard-4876666-300x200.jpg 300w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/whiteboard-4876666-768x512.jpg 768w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/whiteboard-4876666-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/whiteboard-4876666-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/whiteboard-4876666-1200x800.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 521px) 85vw, 521px\" \/><\/figure><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch bin so traurig, ich habe gerade \u00fcberhaupt keine Energie!\u201c, so begann ein neuer Klient das Kennenlerngespr\u00e4ch mit mir. 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