{"id":3197,"date":"2021-06-12T05:00:00","date_gmt":"2021-06-12T03:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/marioporten.de\/?p=3197"},"modified":"2021-05-02T09:21:21","modified_gmt":"2021-05-02T07:21:21","slug":"der-mp-impuls-zum-wochenende-71","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marioporten.de\/?p=3197","title":{"rendered":"Der MP Impuls zum Wochenende"},"content":{"rendered":"\n<p>Meine Klientin war angeschlagen. Sie befand sich in einem emotionalen Tief und ihr Hausarzt hatte sie krankgeschrieben. Nun sa\u00df sie in meinem Coachingraum und ich konnte ihr ansehen, dass ihr viele Dinge durch den Kopf gingen, die sie belasteten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn wir beide zusammenarbeiten, wof\u00fcr?\u201c, fragte ich sie zum Einstieg in unser Coaching. Dann sprudelte sie los. Sie habe auf der Arbeit keine Erfolgserlebnisse. Ihr Chef sei so ein schwieriger Mensch, der gar keine Menschen f\u00fchren k\u00f6nne. Sie bekomme keine Anerkennung f\u00fcr ihre Arbeit, k\u00f6nne sich nicht ausreichend entfalten und habe auch Stress mit den Kolleginnen und Kollegen. Die ganze Situation belaste sie sehr. Ich stellte noch ein paar Verst\u00e4ndnisfragen und bat sie dann, ihr Ziel zu formulieren. Im Mittelpunkt ihres Zieles stand ihr Chef, der sich ver\u00e4ndern sollte\u2026 .<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSehen sie sich um, was f\u00e4llt ihnen auf?\u201c, bat ich meine Klientin und sie schaute fragend durch den Raum. \u201eIch wei\u00df nicht, was Sie meinen?\u201c, war ihre Antwort. Ich l\u00e4chelte und schwieg und so langsam kam sie dahinter, was ich wohl meinte. \u201eAhh\u201c, sagte sie, \u201emein Chef ist nicht hier!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Genau so war es! Sie h\u00e4tte so gerne ihren Chef ge\u00e4ndert, doch der war weder anwesend, noch war er mein Coachingnehmer. Ich bat sie daher, ihr Ziel nochmal zu \u00fcberarbeiten, so dass sie selbst im Mittelpunkt des Zieles stand. Es war eine erste wichtige Intervention, in der sie sich klar werden musste, worum es ihr wirklich ging. Sie suchte ihr Problem, damit sie es anschlie\u00dfend bearbeiten konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die neue Zielformulierung Klang schon viel offener und fokussierte nicht mehr auf ihren Chef. Das war gut so und es erm\u00f6glichte uns, in dieser ersten Coachingsitzung mit der Arbeit zu beginnen und das ein oder andere grunds\u00e4tzliche Muster zu besprechen, welches sie emotional immer wieder belastete.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie zum n\u00e4chsten Coachingtermin kam, ging es ihr noch schlechter als zu Beginn. Wir verlie\u00dfen meinen Coachingraum und machten einen langen Spaziergang an unserem sch\u00f6nen See entlang und sie erz\u00e4hlte sehr viel von ihrem Ehemann und den Problemen, die es aktuell in ihrer Beziehung gab. Das waren viele und f\u00fcr den aufmerksamen Zuh\u00f6rer wiesen ihre Probleme auffallend viele Parallelen zu den Schilderungen auf, die im ersten Termin ihren Chef beschrieben hatten. Es ging um abwertendes Verhalten, dominantes Auftreten, fehlende Anerkennung und Wertsch\u00e4tzung und mangelnde Augenh\u00f6he. An diesem Tag war sie nicht wirklich arbeitsf\u00e4hig, so dass ich meine Interventionen auf einige Fragen und Bewusstseinserweiterungen in der Natur beschr\u00e4nkte.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/040-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3202\" width=\"505\" height=\"378\" srcset=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/040-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/040-300x225.jpg 300w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/040-768x576.jpg 768w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/040-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/040-1200x900.jpg 1200w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/040.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 505px) 85vw, 505px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><br>Ich k\u00fcrze die Geschichte an dieser Stelle ab, denn weitere Details sind nicht von Belang. Ich arbeitete einige Sitzungen lang mit ihr, konnte sie stabilisieren und hatte schlie\u00dflich das Gef\u00fchl, dass der Knoten zwar nicht wirklich geplatzt war, es ihr jedoch deutlich besser ging als vor unserer Zusammenarbeit. Sie wirkte arbeitsf\u00e4hig und stabil, so dass wir unser Coaching beendeten. Ihr Mann hatte im Coaching immer wieder eine Rolle gespielt und sie hatte stets betont, dass es f\u00fcr sie nicht infrage komme, ihren Mann zu verlassen. Sie nahm sich vor, Gespr\u00e4che mit ihm zu f\u00fchren, ihm sein Verhalten zu spiegeln und die Techniken, die ich ihr im Hinblick auf ihren Chef vermittelt hatte, auch gegen\u00fcber ihrem Mann anzuwenden, so dass sie mit seinem Verhalten besser zurechtkommen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Monate hielt ich mit meiner Klientin noch Kontakt, um zu h\u00f6ren, wie es ihr ging. So richtig begeistert war ich nie nach unseren Telefonaten denn sie wirkte zwar nicht mehr so niedergeschlagen wie zu Beginn unserer Arbeit, aber Begeisterung oder Freude lagen ebenfalls nicht in ihrer Stimme. Danach verlor ich sie irgendwann aus den Augen, denn unser Kontakt brach ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwa zwei Jahre sp\u00e4ter bekam ich \u00fcber eines meiner sozialen Netzwerke eine v\u00f6llig \u00fcberraschende Nachricht auf einen Post, den ich geschrieben hatte. Einen Moment lang musste ich \u00fcberlegen, wer das war, der mir so euphorisch schrieb, wie gut dieser Post doch gelungen sei. Es war meine damalige Klientin und so nahm ich den Gespr\u00e4chsfaden mit ihr wieder auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie lebte inzwischen in einem anderen Teil Deutschlands und hatte den gro\u00dfen Schritt gewagt, ihren Mann zu verlassen. Sie hatte ihren Job gek\u00fcndigt und mehrere hundert Kilometer entfernt neu angefangen. Sie war wie verwandelt, strahlte positive Energie und Lebensfreude aus und war gegen\u00fcber der Frau, mit der ich vor Jahren gearbeitet hatte, kaum wiederzuerkennen. Das war f\u00fcr mich ein wunderbarer Moment.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gespr\u00e4ch stellte sich heraus, dass sie es irgendwann mit ihrem Mann nicht mehr ausgehalten und f\u00fcr sich selbst erkannt hatte, dass sie sich befreien musste. Es war aussichtslos gewesen, darauf zu hoffen, dass ihr Mann sich \u00e4nderte. Sie passten einfach nicht mehr zusammen und sie hatte jahrelang gelitten, weil sie f\u00fcr sich keinen Weg gefunden hatte, mit seiner Art klarzukommen. Als sie erkannt hatte, dass sie den Schritt der Trennung gehen musste, um in die Freiheit zu gelangen, packte sie ihre Koffer und zog aus. Das war inzwischen bereits viele Monate her und die Scheidung stand kurz bevor. So schwer dieser Schritt f\u00fcr sie auch gewesen sein mochte, heute war sie ein ganz anderer Mensch &#8211; befreit und gl\u00fccklich.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/20200730_064325-1024x972.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2221\" width=\"421\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/20200730_064325-1024x972.jpg 1024w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/20200730_064325-300x285.jpg 300w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/20200730_064325-768x729.jpg 768w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/20200730_064325-1536x1458.jpg 1536w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/20200730_064325-2048x1945.jpg 2048w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/20200730_064325-1200x1139.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 421px) 85vw, 421px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><br>Die Geschichte meiner Klientin bietet gleich zwei Ans\u00e4tze, von denen wir als Denkansto\u00df profitieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon h\u00e4ufiger ist es mir in meiner Arbeit so ergangen, dass Klienten mit dem Wunsch zu mir kamen, eine andere Person m\u00f6ge doch ihr Verhalten ihnen gegen\u00fcber \u00e4ndern. Das ist grunds\u00e4tzlich nicht m\u00f6glich, denn die andere Person ist nicht im Raum und ich kann mit ihr nicht arbeiten. Klienten k\u00f6nnen immer nur ihr eigenes Verhalten gegen\u00fcber dieser Person \u00e4ndern und hoffen, dass dies auch zu einer \u00c4nderung des Verhaltens ihnen gegen\u00fcber f\u00fchrt. Zusammenarbeit zwischen Menschen ist immer eine Frage von Aktion und Reaktion. Wie im Beispiel meiner Klientin ist allerdings oft die genannte Person gar nicht die eigentliche Ursache, sondern nur eine Projektion eines Verhaltens, welches von einer anderen Person ausgeht, die die eigentliche Belastung darstellt. Meine Klientin erkannte in ihrem Chef die Wesensz\u00fcge ihres Mannes wieder und f\u00fchlte sich dadurch unterdr\u00fcckt und belastet. Die eigentliche Problemursache war ihr Chef jedoch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Den zweiten Denkansto\u00df aus dieser Geschichte k\u00f6nnen wir zweifelsohne aus dem z\u00f6gerlichen Verhalten meiner Klientin ziehen, so nachvollziehbar und anerkennenswert es auch ist. Ich m\u00f6chte ihr sogar mit ausgesprochener Wertsch\u00e4tzung daf\u00fcr begegnen, dass sie lange an ihrer Ehe festgehalten hat und nicht bereit war, diese bei den ersten auftretenden Problemen aufzugeben. Meine Klientin ging sogar so weit, schwerwiegende, gesundheitliche Beeintr\u00e4chtigungen in Kauf zu nehmen, um an der Beziehung zu ihrem Mann festzuhalten. Diese Form der Selbstaufopferung ist allerdings ein Schritt zu weit. Umso mehr muss man ihr zu Gute halten, dass sie es schlie\u00dflich geschafft hat, sich aus dieser Beziehung zu befreien, den ersten wichtigen Schritt zu tun und auszuziehen. Dieser erste Schritt erm\u00f6glichte ihr zu erkennen, was sie wirklich brauchte, um ein gl\u00fccklicheres Leben zu f\u00fchren. Sie befreite sich von der t\u00e4glichen erlebten Belastung und war bereit, neue M\u00f6glichkeiten zu entdecken, sich beruflich neu aufzustellen und fortan ein erf\u00fcllteres Leben zu f\u00fchren. Auch dieses Muster ist mir inzwischen in meiner Arbeit h\u00e4ufig begegnet. Der erste Schritt ist oft unglaublich schmerzhaft und schwer, weshalb ihn viele Menschen nicht gehen. Ohne den ersten Schritt bleiben uns jedoch neue Erkenntnisse versagt und wir bleiben verhaftet in unseren alten Lebensbedingungen. Neue Wege beginnen immer mit dem ersten Schritt!<\/p>\n\n\n\n<p>Nun k\u00f6nnen Sie also w\u00e4hlen welchen Reflexionsimpuls Sie aus dieser Geschichte f\u00fcr sich mitnehmen m\u00f6chten. Vielleicht gibt es Menschen, deren Verhalten Sie besonders belastet. Das w\u00e4re vielleicht ein Anlass, zu hinterfragen, ob es wirklich diese Menschen sind, die sie belasten, oder ob diese Menschen nur Stellvertreter von jemand anderem sind, der in Wirklichkeit der Belastungsfaktor f\u00fcr Sie ist. Oftmals tun wir n\u00e4mlich Menschen Unrecht, weil wir nicht erkennen, dass sie nur eine Projektionsfl\u00e4che desjenigen sind, der wirklich unsere emotionale Belastung darstellt. H\u00e4ufig verhalten auch wir uns dann gegen\u00fcber diesen Menschen nicht gerade positiv, was das Verh\u00e4ltnis weiter verschlechtert. In der Zusammenarbeit von Menschen ist alles eine Frage von Aktion und Reaktion. Gerade deshalb sollten wir uns fragen: Ist dieser Mensch wirklich das Problem oder steht er nur als Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr jemand anderen?<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht gef\u00e4llt Ihnen aber auch der andere Reflexionsansatz besser, dann k\u00f6nnen Sie sich fragen, wobei Sie sich schon lange schwertun, den ersten Schritt zu gehen? Wor\u00fcber haben Sie schon oft nachgedacht, es am Ende aber dann doch nicht getan? Was sind Ihre Dinge, die sie immer wieder aufschieben? Vielleicht fehlte Ihnen bislang der Mut, die Zeit oder andere Dinge waren noch wichtiger? Ohne den ersten Schritt aber geht es auf keinen Fall voran!<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/choice-2692575-1024x380.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3200\" width=\"435\" height=\"161\" srcset=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/choice-2692575-1024x380.jpg 1024w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/choice-2692575-300x111.jpg 300w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/choice-2692575-768x285.jpg 768w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/choice-2692575-1536x569.jpg 1536w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/choice-2692575-2048x759.jpg 2048w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/choice-2692575-1200x445.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 435px) 85vw, 435px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><br>F\u00fcr welchen der beiden Ans\u00e4tze Sie sich auch immer entscheiden, ich w\u00fcnsche Ihnen ein wundersch\u00f6nes Wochenende!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Klientin war angeschlagen. 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