{"id":3210,"date":"2021-06-19T05:00:00","date_gmt":"2021-06-19T03:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/marioporten.de\/?p=3210"},"modified":"2021-05-07T19:42:12","modified_gmt":"2021-05-07T17:42:12","slug":"der-mp-impuls-zum-wochenende-72","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marioporten.de\/?p=3210","title":{"rendered":"Der MP Impuls zum Wochenende"},"content":{"rendered":"\n<p>Da sa\u00dfen wir also seit sehr langer Zeit mal wieder zusammen in der Kneipe, drei alte Schulfreunde, die es endlich geschafft hatten, sich mal wieder zu treffen. Es gab auch einen Anlass, n\u00e4mlich das bevorstehende Jahrgangstreffen unseres Abi-Jahrgangs. Es war der 30. Jahrestag und wir diskutierten eifrig, ob wir an diesem Fest teilnehmen wollten oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich w\u00e4re das mit 500 km Anreise verbunden und um ehrlich zu sein, ich mag solche Treffen eigentlich nicht. Fast alle aus meinem Jahrgang hatte ich aus den Augen verloren, weil ich bald nach dem Abitur weggezogen und nie in meine Heimatstadt zur\u00fcckgekehrt war. Nur wenige gute Freunde waren \u00fcbriggeblieben und die waren mir auch wichtig, zu ihnen hatte ich immer noch Kontakt. Der Rest war eigentlich vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine beide Kumpel lebten noch am Schulort und so war f\u00fcr sie nat\u00fcrlich v\u00f6llig klar, dass sie an dem 30j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um teilenehmen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNun, komm schon, Du warst noch nie da, einmal in 30 Jahren kannst Du dich auch aufraffen.\u201c So oder \u00e4hnlich bearbeiten mich die beiden den ganzen Abend lang und schlie\u00dflich willigte ich ein, zu kommen. Damit konnten wir uns den Rest des Abends den Erinnerungen und \u2013 um ganz ehrlich zu sein \u2013 auch dem L\u00e4stern \u00fcber unsere ehemaligen Schulkameraden hingeben.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/graduation-536575-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3212\" width=\"458\" height=\"305\" srcset=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/graduation-536575-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/graduation-536575-300x200.jpg 300w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/graduation-536575-768x512.jpg 768w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/graduation-536575-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/graduation-536575-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/graduation-536575-1200x800.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 458px) 85vw, 458px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von einigen wusste jeweils einer von uns dann doch sehr konkret, was aus ihm oder ihr geworden war, welchen Beruf sie aus\u00fcbten und welchen Lebensweg sie eingeschlagen hatten. Einige waren weit fortgezogen, so wie ich. Einige lebten noch in der Umgebung, andere waren leider inzwischen auch bereits verstorben. Manche hatten Karriere gemacht und bekleideten hohe Leitungspositionen in gro\u00dfen Firmen, andere hatten sich selbst\u00e4ndig gemacht und selbst erfolgreiche Unternehmen aufgebaut und wieder andere hatten sich ganz auf die Familie konzentriert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir stellten im Gespr\u00e4ch fest, dass wir von einigen zumindest noch das ein oder andere wussten, weil wir \u00fcber die sozialen Netzwerke verbunden geblieben waren. Und dann gab es da noch die Gruppe, von der wir gar nichts mehr wussten. Kein pers\u00f6nlicher Kontakt mehr, in den sozialen Netzwerken nicht aktiv, offenbar nach der Schule \u201eabgetaucht\u201c. Als wir bei dieser Gruppe angekommen waren, kamen wir auch auf unseren Mitsch\u00fcler Alexander.<\/p>\n\n\n\n<p>Keiner von uns wusste, was aus ihm geworden war, wo er war, welchen Beruf er aus\u00fcbte, wir waren blank. So blieben nur die Erinnerungen an die Schulzeit und die waren \u2013 insbesondere nachdem wir auch schon das ein oder andere Bier getrunken hatten \u2013 f\u00fcr unseren Mitsch\u00fcler nicht sonderlich vorteilhaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Er war so ein langer Schlacks gewesen, erinnerten wir uns. Immer ziemlich wilde Frisur, ein Tr\u00e4umer, meist mit sich selbst besch\u00e4ftigt. Ein netter Kerl, aber eher das Gegenteil einer Stimmungskanone. Nicht sonderlich kommunikativ, ein Eigenbr\u00f6dler. Schnell waren wir uns einig in unserem Urteil: \u201eAus Alexander ist sicher nichts geworden und der kommt auch sicher nicht zum Jubil\u00e4um.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie ahnen schon, dass ich Ihnen diese Geschichte nicht erz\u00e4hlen w\u00fcrde, wenn wir uns nicht gr\u00fcndlich geirrt h\u00e4tten. Am Festabend zogen wir zu dritt lange durch die einzelnen R\u00e4ume und schlie\u00dflich begegneten wir \u00fcberraschend auch Alexander. Er sa\u00df \u2013 irgendwie f\u00fcr uns passend \u2013 ganz hinten in einer Ecke, ein Bier in der Hand und beobachtete das bunte Treiben. Wir hockten und dazu, erz\u00e4hlten von uns und alberten ein wenig herum. Schlie\u00dflich stellte einer meiner beiden Kumpel, die Frage, die uns so unter den N\u00e4geln brannte:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd Alexander, altes Haus, was machst Du denn heute so? Von Dir wissen wir ja gar nichts!?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Alexander schaute uns an und sagte: \u201eIch bin Hirnchirurg und Chefarzt der Neurochirurgie einer gro\u00dfen Klinik, wir haben uns auf Patienten mit Gehirntumoren spezialisiert.\u201c<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/brain-4961452-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2597\" width=\"457\" height=\"305\" srcset=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/brain-4961452-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/brain-4961452-300x200.jpg 300w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/brain-4961452-768x512.jpg 768w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/brain-4961452-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/brain-4961452-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/brain-4961452-1200x800.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 457px) 85vw, 457px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Ich muss Ihnen sicher nicht weiter erl\u00e4utern, wie wir drei uns f\u00fchlten. Ausgerechnet Alexander, dem wir so wenig zugetraut hatten. Wie peinlich war pl\u00f6tzlich alles, was wir vor ein paar Wochen in der Kneipe so daher gesagt hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>So kann es gehen, wir haben Bilder von Menschen im Kopf und seien sie auch 30 Jahre alt. Aus diesen Bildern leiten wir allzu gern Bewertungen ab. Manchmal treffen diese auch zu, h\u00e4ufig jedoch leider auch nicht. So besteht die Gefahr, Menschen unrecht zu tun, was je nachdem wie wir uns \u00e4u\u00dfern auch sehr verletzend sein kann. Deshalb ist immer Vorsicht geboten, die Bilder in unserem Kopf k\u00f6nnen auch t\u00e4uschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie haben auch gerade eine Erinnerung, dass Sie schon einmal in genau diese Falle getappt sind und jemanden vollkommen falsch eingesch\u00e4tzt haben. Dann hoffe ich f\u00fcr Sie, dass Sie das gleiche Gl\u00fcck hatten, wie damals meine beiden Kumpel und ich, denn Alexander hat von unserem Treffen in der Kneipe zum Gl\u00fcck nie erfahren, es w\u00e4re unendlich peinlich f\u00fcr uns gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Also \u00fcberlegen Sie bitte zweimal, bevor Sie aufgrund alter Bilder in Ihrem Kopf eine Bewertung vornehmen, das erspart Ihnen im Zweifel auch die ein oder andere peinliche Entschuldigung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche Ihnen ein sch\u00f6nes Wochenende!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da sa\u00dfen wir also seit sehr langer Zeit mal wieder zusammen in der Kneipe, drei alte Schulfreunde, die es endlich geschafft hatten, sich mal wieder zu treffen. Es gab auch einen Anlass, n\u00e4mlich das bevorstehende Jahrgangstreffen unseres Abi-Jahrgangs. Es war der 30. 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