{"id":4782,"date":"2024-06-03T04:18:00","date_gmt":"2024-06-03T02:18:00","guid":{"rendered":"https:\/\/marioporten.de\/?p=4782"},"modified":"2024-06-03T20:28:49","modified_gmt":"2024-06-03T18:28:49","slug":"4782","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marioporten.de\/?p=4782","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"\n<p>Es ist ein komisches Gef\u00fchl als ich Klaus die Hand gebe und auf der Bank hinter dem Tor platz nehme, auf der ich seit Jahren sitze, wenn mein Sohn ein Heimspiel hat und ich ihm dabei zuschaue. Klaus kenne ich ebenfalls seit Jahren noch aus seiner Zeit als Mannschaftsbetreuer, in der ich ihm oft als Schiedsrichter begegnet bin. Er ist schon lange Rentner und wir schauen die Spiele seit Jahren gemeinsam.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 22 Jahren spielt mein Sohn nun Fu\u00dfball und ich erinnere mich gut an die ersten Momente im Alter von 5 Jahren. Die Hosen gingen bis weit \u00fcber die Knie, die Trikots glichen eher Nachthemden. Das Spiel war nicht immer das wichtigste, manchmal wurden auch einfach G\u00e4nsebl\u00fcmchen gez\u00e4hlt. Seitdem ist viel passiert, engagierte leistungsbezogene Jahre im Jungendbereich, drei Jahre Fu\u00dfballpause aufgrund des Studiums im S\u00fcden Deutschlands und seit mehreren Jahren spielt mein Sohn nun in der 1.Herrenmannschaft des Nachbardorfes.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe nicht immer Zeit gehabt, ihm zuzuschauen, weil mich anfangs mein Beruf einschr\u00e4nkte, ich dann selbst nochmal einige Jahre als Fu\u00dfballschiedsrichter und -funktion\u00e4r aktiv war und sich die Termine \u00fcberschnitten. Nachdem ich der Corona-Zeit alle eigenen Aktivit\u00e4ten rund um den Fu\u00dfball aufgegeben habe, bin ich seit einigen Jahren nur \u201eFan meines Sohnes\u201c gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Christopher, meinen Sohn, war es immer wichtig, Fu\u00dfball mit seinen Freunden zu spielen, mit denen er teilweise schon seit vielen Jahren zusammenspielt. Das Erlebnis \u201eMannschaft\u201c und Gemeinsamkeit war immer das wichtigste, erst dann kam bei allem sportlichen Ehrgeiz die Frage des sportlichen Erfolges. Dieses Jahr lie\u00df sich beides sehr gut miteinander verbinden, man steht kurz vor dem Aufstieg in die Landesliga, die zweith\u00f6chste Landesklasse, und es w\u00e4re der gr\u00f6\u00dfte sportliche Erfolg des Vereins. Es ist das letzte von drei Aufstiegsspielen und man f\u00fchrt nach zwei Spieltagen die Tabelle an, ein Unentschieden reicht heute zum sicheren Aufstieg.<\/p>\n\n\n\n<p>Das alles verleiht dem Tag schon etwas Besonderes, doch da ist noch mehr. Vor zwei Wochen hat uns unser Sohn mitgeteilt, dass er nach der Saison aufh\u00f6ren wird bzw. zumindest ein halbes Jahr aussetzen wird, um zu sehen, wie es ihm ohne Fu\u00dfball geht. Ich wusste nat\u00fcrlich, dass es solche Gedanken gibt, denn sowohl die zeitliche Belastung neben dem herausfordernden Beruf, den mein Sohn aus\u00fcbt, als auch zunehmende k\u00f6rperliche Beschwerden waren schon l\u00e4nger ein Thema. Dennoch kam die Mitteilung \u00fcberraschend. Es ist f\u00fcr einen knapp 27-j\u00e4hrigen sehr weitsichtig diese Pause einzulegen und ich kann vor meinem Sohn nur \u201eden Hut ziehen\u201c und doch f\u00fchlt es sich komisch an.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-video\"><video height=\"1080\" style=\"aspect-ratio: 1920 \/ 1080;\" width=\"1920\" controls src=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/20240601_155953.mp4\"><\/video><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Und so ist es nun soweit, zum vielleicht letzten Mal sehe ich meinen Sohn mit seinem Team den Rasen betreten. Ein vielleicht letztes Mal philosophieren Klaus und ich \u00fcber das, was uns gleich erwarten k\u00f6nnte. Diese zwei Stunden auf dem Fu\u00dfballplatz waren f\u00fcr mich immer wie eine kleine Auszeit, einfach der Vater, der seinem Sohn beim Spielen zuschaut. Nicht mehr der Schiedsrichterbeobachter, der mitschreiben und aufpassen muss. Auch alle anderen Gedanken, die sonst meinen Tag bestimmen, waren in diesen zwei Stunden einfach weg. Keine Gedanken an Themen zu Hause, in meinem Beruf, meiner eigenen Gesundheit oder rund um meine bald 85-j\u00e4hrige Mutter. Ich war, zugegeben, ein \u201eSch\u00f6nwetterfan\u201c und nur auf dem Platz, wenn das Wetter gut war. Im Regen habe ich fr\u00fcher so oft als Schiedsrichter auf dem Platz gestanden, das muss nicht mehr sein. So waren meine Besuche also immer ein \u201ein der Sonne sitzen\u201c und alle Gedanken und Sorgen hinter mir lassen. Einfach \u201ePapa schaut Fu\u00dfball von seinem Sohn\u201c. Nun also vielleicht zum letzten Mal. Es klingt vielleicht sonderbar, aber ich sp\u00fcre Wehmut aufkommen und bin in diesen Minuten froh, meine Sonnenbrille aufzuhaben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte des Spiels ist schnell erz\u00e4hlt. An diesem Tage liegt ein Klassenunterschied zwischen beiden Mannschaften und die weit aus dem Norden des Landes mit dem Reisebus angereisten G\u00e4ste haben keine Chance. Als die Stadionuhr auf 90 Minuten springt pfeift der an diesem Tag sehr gute Schiedsrichter auf die Sekunde p\u00fcnktlich ab. Beim Stand von 4:0 sind an diesem Nachmittag alle Fragen eindeutig beantwortet, Nachspielzeit braucht hier niemand mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Team meines Sohnes beginnt das Partyprogramm und steigt als Gruppensieger der Aufstiegsrunde erstmals in die Landesliga auf, alle singen und tanzen, Bengalos in den Vereinsfarben werden geschwenkt. Auf der anderen Seite ist die Stimmung ganz anders, denn die G\u00e4ste verpassen mit dieser Niederlage den Aufstieg und bleiben in der Verbandsliga. Die Spieler sinken entt\u00e4uscht zu Boden und bleiben lange ausdrucklos sitzen. Sie m\u00fcssen der feiernden Heimmannschaft wohl \u00fcber \u00fcbel beim Jubeln zusehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gehe um das Spielfeld herum, suche und finde meinen Sohn, umarme und begl\u00fcckw\u00fcnsche ihn. Ich bin sicher, dies ist auch f\u00fcr ihn kein leichter Moment, doch jetzt ist erstmal die verdiente Party nach einer langen Saison. Aufh\u00f6ren, wenn es am sch\u00f6nsten ist, das hat geklappt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zehn Minuten habe ich mit Fahrrad nach Hause und dann ist dieses Kapitel erstmal beendet. Vielleicht war es -nach vielen Kapiteln in Sachen Fu\u00dfballsport- mein letztes? Wer wei\u00df das schon und so bin ich bei aller Freude f\u00fcr meinen Sohn und sein Team an diesem Abend auch ein wenig traurig.<\/p>\n\n\n\n<p>Und welche Reflexionsfragen stelle ich nun Ihnen, liebe Leserinnen und Leser?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, heute stelle ich Ihnen einfach keine Fragen, Sie sind sicher l\u00e4ngst in Ihren eigenen Gedanken versunken.<\/p>\n\n\n\n<p>#coaching<\/p>\n\n\n\n<p>#selbstreflexion<\/p>\n\n\n\n<p>#wegbegleiter2024<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"373\" height=\"391\" src=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/Wegbegleiter-2024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4602\" style=\"width:314px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/Wegbegleiter-2024.jpg 373w, https:\/\/marioporten.de\/wp-content\/uploads\/Wegbegleiter-2024-286x300.jpg 286w\" sizes=\"auto, (max-width: 373px) 85vw, 373px\" \/><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein komisches Gef\u00fchl als ich Klaus die Hand gebe und auf der Bank hinter dem Tor platz nehme, auf der ich seit Jahren sitze, wenn mein Sohn ein Heimspiel hat und ich ihm dabei zuschaue. 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