Familienzusammenführung

Zu den schönsten Erlebnissen im Revier gehört im Herbst und winter die Beobachtung der sich bildenden Sprünge. Gruppen von Tieren finden sich geschlechtsübergreifend zusammen und ziehen gemeinsam umher, um Futter zu suchen. Ein großer Kontrast zu Frühling und Sommer, denn in diesen Zeiten sind Rehe ja in der Regel Einzelgänger.

Es ist typisch, dass in den Sprüngen oftmals die Jungtiere der Vorjahre wieder der Mutter mit ihren aktuellen Jungtieren anschließen. Es kommt also quasi zur Familienzusammenführung.

In meinem Revier kann man das besonders schön an der Ricke, die in diesem Jahr die zwei stattlichen Bockkitze führt, beobachten. Schon im Herbst habe die Ricke mit ihren Jungs beobachtet, wie sich auf der Wiese zwei weiteren Böckchen zu ihr gesellten. Sie nahm intensiv Kontakt auf und die Tiere beschnupperten sich. Das andere Böckchen spielte regelrecht mit einem ihrer aktuellen Kitze. Lange Zeit verweilten sie alle gemeinsam auf der Wiese und zogen schließlich alle zusammen davon. Die beiden Jährlinge weisen eine auffallend ähnlich graue Gesichtsmaske auf, was vermuten lässt, dass es sich um Brüder handelt. Auch die Tatsache, dass ein Tier kräftiger und ein Tier etwas schwächer ist, spricht für Zwillinge des Jahres 2024. Auch im Jahr 2025 war eines der Bockkitze etwas kräftiger als sein Bruder.

Inzwischen bin ich sicher, dass es sich hier um eine Ricke mit ihren vier Söhnen handelt, denn die Tiere ziehen seit Wochen gemeinsam durch das Revier.

Am Morgen des 16.01.2026 hatte ich mal wieder Gelegenheit zu einer längeren Fotosession, bei der diese Bilder entstanden.

Auf dem ersten Bild sieht man die Ricke in der Mitte. Rechts ihre Söhne aus 2024, bei denen man bereits unter Bast das neu entstehende Gehörn sehen kann. Deutlich erkennbar auch, dass der junge Mann, der hinter der Ricke steht, deutlich „mehr“ auf dem Kopf tragen wird, als sein Bruder ganz rechts. So war es auch bereits im Sommer 2025. Das kleine Böckchen ganz rechts ist mir besonders an Herz gewachsen, denn ihn treffe ich fast jedes Mal. Meist steht er gleich am Waldrand auf dem Weg, als würde er auf mich warten. Wir haben ihm daher den Spitznamen der Türsteher gegeben.

Auf dem zweiten Bild mit allen fünf Tieren ist die Ricke vorn, dann die Jahrgänge 25,24,24 und 25. Die übrigen Bilder sprechen für sich.

Es ist wunderbar zu sehen, wie diese Familie in der futterarmen Winterzeit zusammenhält und die Tiere immer beieinander sind. Sie zu treffen und zu beobachten, ist immer wieder ein großartiges Erlebnis.

Wie wird es weitergehen im Jahr 2026? Werden die dann zweijährigen Böcke vor Ort bleiben oder vom Revierbock vertrieben werden? Was wird aus den beiden Bockkitzen 2025? Welche Jungtiere wird die Ricke 2026 haben?

Die Geschichten der Natur haben immer ein faszinierendes Drehbuch – freuen wir uns darauf!

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