Der Wandel des Morgens

Wenn die Sonne aufgegangen ist, aber noch nicht hoch am Himmel steht, liegt zu dieser Jahreszeit noch die morgendliche Kälte in der Luft. Die Luft ist frisch und klar und man fühlt sich sofort wach und voller Energie. Über den großen Waldwiesen, die von Bäumen eingerahmt werden, liegt noch der Nebel. Es ist ein bisschen mystisch in diesen Minuten und man wartet förmlich auf Elfen oder Wichtel. Eigentlich liegt herrscht Stille, doch die Vögel singen schon eifrig. Das laute Schreien der Kraniche ist immer wieder zu hören und passt so gar nicht in die Stille des Moments. Ich ahne schon, dass noch wundervolle Momente kommen werden.

Die ersten Rehe sind schon da, ihre Umrisse verschwimmen im Grau des Nebels. Auf der ersten Wiese treffe unseren kleinen Revierbock, der wie fast immer in Begleitung „seiner“ Ricke ist. Ich bemühe mich vorsichtig zu sein und sie nicht zu erschrecken.

Ein paar hundert Meter weiter treffe ich eine Ricke mit Ihrem Kitz, das mich leider gesehen hat und im hohen Dickicht untergetaucht ist. Seine Mama, die mich schon seit fast zwei Jahren kennt, hat mich auch gesehen, flieht jedoch nicht. Auch sie beobachtet vorsichtig den erwachenden Tag.

Damit dieser Post nicht zu lang wird, lasse ich alles aus, was mir so auf dem Weg begegnet ist. Es gibt ja noch andere Tage, an denen ich von diesen Begegnungen erzählen kann. Gut eine Stunde später komme ich wieder zu der Waldwiese, an der mein Weg begann. Welch ein Wandel bietet sich meinem Auge: Die Sonne steht inzwischen hoch und hat den Nebel aufgelöst. Die frische Morgenkälte vermischt sich mit den ersten warmen Sonnenstrahlen. Der Revierbock und seine Dame äsen inzwischen ganz friedlich mitten auf der Wiese. Rehe lieben die Sonne – so stand es in einem der Fachbücher und der Autor hat Recht. Diesmal muss man vor mir nicht so auf der Hut sein, man sieht mich, aber ich bin weit genug weg und außerdem der, den man schon kennt.

So geht meine Morgenrunde zu Ende, wie sie begann. Ein letztes Mal schweift mein Blick zu den beiden Tieren, noch strahlt ihr schönes braunes Sommerfell in der Sonne. Bald schon werden sie ins winterliche Grau umfärben. Für mich wird es Zeit zum Frühstück.

#nature

#nature_lovers

#naturephotos

#naturephotograpy

#naturephotographer

#badsegeberg

#naturephotography

 

Familienzusammenführung

Zu den schönsten Erlebnissen im Revier gehört im Herbst und winter die Beobachtung der sich bildenden Sprünge. Gruppen von Tieren finden sich geschlechtsübergreifend zusammen und ziehen gemeinsam umher, um Futter zu suchen. Ein großer Kontrast zu Frühling und Sommer, denn in diesen Zeiten sind Rehe ja in der Regel Einzelgänger.

Es ist typisch, dass in den Sprüngen oftmals die Jungtiere der Vorjahre wieder der Mutter mit ihren aktuellen Jungtieren anschließen. Es kommt also quasi zur Familienzusammenführung.

In meinem Revier kann man das besonders schön an der Ricke, die in diesem Jahr die zwei stattlichen Bockkitze führt, beobachten. Schon im Herbst habe die Ricke mit ihren Jungs beobachtet, wie sich auf der Wiese zwei weiteren Böckchen zu ihr gesellten. Sie nahm intensiv Kontakt auf und die Tiere beschnupperten sich. Das andere Böckchen spielte regelrecht mit einem ihrer aktuellen Kitze. Lange Zeit verweilten sie alle gemeinsam auf der Wiese und zogen schließlich alle zusammen davon. Die beiden Jährlinge weisen eine auffallend ähnlich graue Gesichtsmaske auf, was vermuten lässt, dass es sich um Brüder handelt. Auch die Tatsache, dass ein Tier kräftiger und ein Tier etwas schwächer ist, spricht für Zwillinge des Jahres 2024. Auch im Jahr 2025 war eines der Bockkitze etwas kräftiger als sein Bruder.

Inzwischen bin ich sicher, dass es sich hier um eine Ricke mit ihren vier Söhnen handelt, denn die Tiere ziehen seit Wochen gemeinsam durch das Revier.

Am Morgen des 16.01.2026 hatte ich mal wieder Gelegenheit zu einer längeren Fotosession, bei der diese Bilder entstanden.

Auf dem ersten Bild sieht man die Ricke in der Mitte. Rechts ihre Söhne aus 2024, bei denen man bereits unter Bast das neu entstehende Gehörn sehen kann. Deutlich erkennbar auch, dass der junge Mann, der hinter der Ricke steht, deutlich „mehr“ auf dem Kopf tragen wird, als sein Bruder ganz rechts. So war es auch bereits im Sommer 2025. Das kleine Böckchen ganz rechts ist mir besonders an Herz gewachsen, denn ihn treffe ich fast jedes Mal. Meist steht er gleich am Waldrand auf dem Weg, als würde er auf mich warten. Wir haben ihm daher den Spitznamen der Türsteher gegeben.

Auf dem zweiten Bild mit allen fünf Tieren ist die Ricke vorn, dann die Jahrgänge 25,24,24 und 25. Die übrigen Bilder sprechen für sich.

Es ist wunderbar zu sehen, wie diese Familie in der futterarmen Winterzeit zusammenhält und die Tiere immer beieinander sind. Sie zu treffen und zu beobachten, ist immer wieder ein großartiges Erlebnis.

Wie wird es weitergehen im Jahr 2026? Werden die dann zweijährigen Böcke vor Ort bleiben oder vom Revierbock vertrieben werden? Was wird aus den beiden Bockkitzen 2025? Welche Jungtiere wird die Ricke 2026 haben?

Die Geschichten der Natur haben immer ein faszinierendes Drehbuch – freuen wir uns darauf!