Der MP Impuls zum Wochenende

Fußball Europameisterschaft – noch vor zwei Jahren hätte mich das begeistert. Wahrscheinlich hätte ich mir viele Spiele angesehen. Fußball, genauer das Schiedsrichterwesen im Fußball, war viele Jahre eines meiner großen Hobbies. Ich war erfolgreich, habe Funktionärsämter bekleidet und vieles mehr. Da war es immer selbstverständlich, die großen Turniere zu verfolgen. Ich fand es auch spannend zu sehen, wie die vermeintlich „Kleinen“ die „Großen“ ärgern und Favoriten straucheln. In den Wochen der großen Turniere habe ich oft viele Spiele am Fernseher verfolgt, insb. da ich mir meine Zeit frei einteilen konnte.

Im Jahr 2021 ist das erstmals vollkommen anders. Es interessiert mich schlicht nicht mehr. Meine Interessen haben sich verändert, das ist zumindest bei mir auch eine Folge der Corona-Pandemie. Es zieht mich nicht mehr an den Fernseher. Meine Zeit ist mir inzwischen zu schade, um sie vor dem Fernseher zu verbringen. Es zieht mich raus in die Natur, wann immer es das Wetter zulässt, bin ich draußen. Ich sitze im Garten, genieße die Sonne, schaue den Tieren zu, fahre Fahrrad an der frischen Luft. Ich kann es nicht leugnen, meine Werte haben sich durch Corona verändert.

Dass sich unsere Werte im Laufe eines Lebens verändern, ist nicht ungewöhnlich. Dafür gibt es viele Anlässe, oftmals gravierende Lebenseinschnitte wie z.B. ein Berufswechsel, eine Krankheit  oder das altersbedingte Ausscheiden aus dem Berufsleben, um nur einige zu nennen. Neue Lebensphasen, andere Werte – das ist nicht ungewöhnlich. In meinem Fall war es keine neue Lebensphase, sondern ein anderes einschneidendes Erlebnis, dass meine Werte verändert hat, denn hätten Sie mich zu Neujahr 2019 gefragt, ob ich glaube, dass ich in meinem Leben nochmal eine Pandemie erlebe, ich hätte mit Sicherheit verneint.

Manchmal merkt man sehr schnell, dass einem manche Dinge plötzlich viel wichtiger sind als vorher, andere hingegen sind einem plötzlich nicht mehr wichtig. Neue Aktivitäten geht man plötzlich mit Begeisterung an, andere, die man lange ausgeübt hat, machen einem keinen Spaß mehr. Auf diese schnellen, sofort spürbaren Entwicklungen kann man gut reagieren, da sie im bewussten Bereich stattfinden. Dort sind wir „Herr unseres Handelns“ und können unser Verhalten anpassen.

Werteveränderungen geschehen aber manchmal auch schleichend, nämlich dann, wenn unser Unbewusstsein sie vorantreibt. In diesen Fällen bemerken wir in der Regel zuerst nicht die Werteveränderung als Ursache, sondern wir bemerken zuerst die Symptome. Solche Symptome können sehr unterschiedlich sein und äußern sich u.a. in Lustlosigkeit, Langeweile, Gleichgültigkeit, nachlassendem oder fehlendem Ehrgeiz, fehlender Motivation und vielem mehr. Dann fragen wir uns plötzlich, warum uns etwas keinen Spaß mehr macht bzw. wir dabei keine Freude mehr empfinden. Früher habe ich das doch immer gerne gemacht, was ist nur los? So oder so ähnlich melden sich dann die inneren Stimmen. Plötzlich können wir uns selbst nicht mehr verstehen, wenn wir daran zurückdenken, womit wir früher unsere Zeit verbracht haben. Wie konnte ich nur…? Auch so eine häufige Stimme in unserem Kopf.

Phasen der schleichenden, zunächst unbemerkten Werteveränderung sind wesentlich schwieriger zu handhaben. Sie gehen für die Betroffenen oft mit langen Zeiten von Unwohlsein, Selbstzweifeln und schlechten, schlimmstenfalls sogar selbstabwertenden Gefühlen einher. Was ist nur los mit mir? Erst wenn uns ein entsprechender Erkenntnisprozess gelingt und wir die sich vollziehende Werteveränderung erkennen, sie also aus dem Unterbewusstsein in das Bewusstsein holen, geht es uns besser. Dann können wir uns neu ausrichten, die Vergangenheit nochmals wertschätzen und die Zukunft aktiv und kraftvoll neu gestalten. Wie lange es dauert, bis dieser Bewusstseinsprozess einsetzt, kann sehr unterschiedlich sein. Manchen gelingt es allein, andere brauchen die Hilfe von Freunden, manche eine professionelle Unterstützung.

Werte ändern sich, das ist etwas ganz Normales. Werte sind die Grundlage unseres Handelns, die Basis auf der alles andere aufbaut. Wir sollten Sie kennen und uns immer mal wieder aktiv mit unseren Werten beschäftigen, denn das hilft, die unbewussten Wertveränderungen schneller bewusst zu machen.

Kennen Sie Ihre beruflichen und privaten Werte? Falls sie nicht sicher sind, empfehle ich Ihnen eine Wertearbeit mit einem Coach, der diese mit Ihnen auch unter Berücksichtigung Ihres Unbewusstseins erarbeiten kann. Für viele meiner Klienten war gerade diese Arbeit ungemein wertvoll – und das soll wirklich kein Werbeblock sein.

Welche Werte haben sich im Laufe Ihres Lebens verändert?

Welche Werte verändern sich vielleicht gerade im Moment, ohne dass es Ihnen bereits bewusst ist?

Haben Sie vielleicht sogar Wertekonflikte und wenn ja, wie gehen Sie mit diesen um?

Vielleicht ist ja genau dieses Wochenende ein guter Zeitpunkt, wieder einmal über Ihre Werte nachzudenken. Viel Freude wünsche ich Ihnen dabei!

In eigener Sache:

Sie haben Interesse an einer Wertearbeit?

Sprechen Sie mit mir – das Informationsgespräch ist für Sie natürlich kostenfrei.

post@marioporten.de

Werte bleiben im Change oft auf der Strecke

Immer häufiger lesen wir in letzter Zeit Beiträge zum Thema wertorientierte Unternehmensführung. Da geht es nicht mehr nur um Gewinne, um Wachstum als Selbstzweck, nicht mehr nur um höher, schneller und größer. Auch hier ist wieder einmal u.a. die Generation Z ein Treiber, denn sie stellt die Frage, wofür ihr Arbeitgeber eigentlich steht, mehr in den Vordergrund als die Generationen vor ihr. Gut so!

Auch die aktuelle Krise zeigt, dass Unternehmen, in denen Werte, Vision und Mission einen hohen Stellenwert haben, Vorteile gegenüber denjenigen haben, die nur auf “nackte” Zahlen abzielen. Viele Unternehmer solcher wertorientierten Unternehmen äußern sich aktuell auch in Interviews und oftmals liegt hinter Ihnen eine erkenntnisreiche Zeit, in der auch sie erst schrittweise zum heutigen wertorientierten Geschäftsmodell gefunden haben. Diese Interviews kann ich nur jedem als Lektüre empfehlen.

Nun legt die Unternehmensberatung Mutaree eine Studie vor, dass gerade Werte in Veränderungsprozessen oft auf der Strecke bleiben (manangerseminare 5/2020). Von den 235 befragten Fach- und Führungskräften bestätigten 69 % dass Werte in ihren Unternehmen generell wichtig sind. Allerdings gaben nur 53% an, dass dies auch in Veränderungsprozessen unverändert der Fall sei.

In Change-Projekten stehen alle Beteiligten angesichts der mit dem Projekt verbundenen Kosten meist sowohl unter besonderem Erfolgsdruck als auch unter besonderer Beobachtung von allen Seiten. Da kann es schon mal passieren, dass Werte dem Projekterfolg geopfert werden. Da wir seit Jahren allerdings immer mehr und in immer schnellerer Folge Change-Projekte in den Unternehmen haben, besteht die Gefahr, dass Werte generell “auf der Strecke bleiben”.

Besonders betroffen ist dabei offenbar die gegenseitige Wertschätzung, denn 72% der Befragten vermissten diese in Veränderungsprojekten. Es folgen Transparenz und Fairness mit jeweils 51%.

Wo Werte verloren gehen, kommen ganz schnell neue Ängste auf. So belegt es auch diese Befragung, denn 60% der Befragten äußerten die Angst, der Werteverlust könne mittelfristig zum Burn-Out führen.

Für die Unternehmen scheint es also besonders wichtig, die eigenen Werte zu definieren und in allen Unternehmenslagen im Fokus zu haben. Dies gilt dann besonders in Krisen und großen Veränderungsprojekten. Werte stehen in der Hierarchie ganz oben und sollten schnellen Erfolgen nicht geopfert werden, auch nicht in Veränderungsprojekten. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden es Ihnen danken!