Arbeitswelt und Führung: aktuelle Trends und Umfragen, Ausgabe 26.09.2022

In diesem Monat liegen eine ganze Reihe interessanter Studien zu verschiedenen Themen vor.

Da Apple gerade seine Beschäftigten zurück in die Firma ruft und die Diskussion um die Frage des Homeoffices damit neu befeuert, starten wir gleich mit diesem Thema. Auch in Deutschland scheint die Frage Homeoffice ja oder nein für viele Führungskräfte immer noch nicht eindeutig beantwortet zu sein. In einer Studie des Deutschen Innovationsinstituts für Nachhaltigkeit und Digitalisierung (DIND), für die 2767 Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer befragt wurden, haben 51 Prozent der Befragten aus kleinen und mittelständischen Unternehmen angegeben, sie fänden es problematisch, wenn viele ihrer Mitarbeitenden im Homeoffice sind. Die größte Sorge ist offensichtlich, dass die Kreativität der Mitarbeitenden sinken könnte. 71 Prozent der befragten Führungskräfte gehen davon aus, dass im Homeoffice die Kreativität ihrer Mitarbeitenden geringer ist. Derartige Annahmen werden auch durch aktuelle Aussagen führender Hirnforscher gestützt, die davon ausgehen, dass Kreativität in erster Linie durch Präsenz und Teamarbeit vor Ort gefördert wird.

In der Studie hatten außerdem 44 Prozent der Befragten den Eindruck, dass die Produktivität ihrer Mitarbeitenden im Homeoffice abgenommen hat. Allerdings kommen die Befragten nicht zu dem Ergebnis, dass ihre Sorgen dem Homeoffice in Gänze entgegenstehen, denn 82 Prozent der befragten Führungskräfte waren gegen eine komplette Abschaffung des Homeoffice. So bleiben die Fragen, wie eine Kombination zwischen Homeoffice und Arbeiten vor Ort im Unternehmen optimal gestaltet werden kann. Hier werden bereits seit längerem Fragestellungen fester oder variabler Präsenztage, einer konkret vorgegebenen Anzahl von Tagen im Home Office oder auch in Präsenz und ähnliche Lösungsmodelle diskutiert. Eine Musterlösung scheint es hierbei nicht zu geben, vielmehr wird jedes Unternehmen für sich entscheiden müssen, welche Lösung die bestmögliche Verbindung zwischen Unternehmens- und Mitarbeiterinteressen darstellt.

Die Kühne Logistics University hat in einer Studie 622 Mitarbeitende der Hamburger Hochbahn befragt und dabei herausgefunden, dass die Mehrheit gerne ins Büro zurückkommen möchte. Ein Zwang zur Rückkehr ins Büro scheint also gar nicht notwendig: Freiwilligkeit und individuelle Vereinbarungen deuten sich nach wie vor als bestmögliche Wege zur Vereinbarkeit der Interessen aller Beteiligten an. Dabei sollten die Präsenztage möglichst individuell zwischen den Mitarbeiten und ihren jeweiligen Führungskräften abgesprochen werden. Homeoffice allein scheint keinesfalls die Musterlösung für viele Mitarbeitende darzustellen, da immer mehr auch der Aspekt des sozialen Miteinanders der Kolleginnen und Kollegen vor Ort thematisiert wird. Ähnliche Erfahrungen hat auch der Sportartikelhersteller Puma gemacht. Ohne einen offiziellen Aufruf kehrten etwa 80 Prozent der Beschäftigten jeden Tag ins Büro zurück.

Ich habe in meinen Blogbeiträgen schon oft darauf hingewiesen, dass das „New Normal“ der Zusammenarbeit keineswegs schon gefunden ist, was nach einer so kurzen Zeit auch gar nicht möglich erscheint. Die Suche nach den richtigen, individuellen Lösungen bleibt Aufgabe aller Unternehmen.

Zu diesem Thema liegen noch zwei weitere Befragungen vor, die interessante Blitzlichter zu Teilaspekten darstellen. Der Technologieanbieter Sharp Business Systems hat mehr als 6000 Büroangestellte befragt und festgestellt, dass etwa die Hälfte der Befragten persönliche Besprechungen einem virtuellen Meeting vorziehen würde. Hauptgrund ist offenbar, dass die Befragten davon ausgehen, dass face to face bessere Kommunikationsmöglichkeiten bestehen, als dies in einer virtuellen Besprechung der Fall ist.

Ein weiteres interessantes Blitzlicht liefert eine Studie von Cegid, einem cloudbasierten Business-Management Lösungsanbieter. In dieser Befragung wurden 100 Führungskräfte und 400 Mitarbeitende hinsichtlich ihrer Präferenzen zu flexiblen Arbeitszeiten befragt. 42 Prozent der männlichen Studienteilnehmer, aber nur 29 Prozent der befragten Frauen, gaben an, dass flexible Arbeitszeitgestaltung für sie ein entscheidender Faktor bei der Arbeitgeberbindung ist. Dies ist zunächst ein überraschendes Ergebnis, denn gemeinhin wird Frauen unterstellt, dass für sie flexible Arbeitszeiten deutlich wichtiger seien als für ihre männlichen Kollegen. Besonders deutlich fiel der Unterschied bei den Besserverdienenden mit mehr als 5000 Euro Haushaltsnettoeinkommen aus: 52 Prozent der männlichen Befragten, aber nur 25 Prozent der Frauen, empfanden flexible Arbeitszeiten als besonders wertschätzend. Leider hat die Studie nicht nach den Gründen dieser Entwicklungen gefragt. Es darf jedoch (mit den Studienautoren übereinstimmend) angenommen werden, dass die Erfahrungen der letzten zwei Jahre dazu geführt haben, dass die Hemmschwelle nach flexiblen Arbeitszeiten und Arbeitsmöglichkeiten im Homeoffice zu fragen, deutlich abgesenkt wurde. Dies gilt insbesondere für die männlichen Arbeitnehmer.

Keine Frage: Beim Thema Home Office wird es spannend bleiben und die Entwicklung der nächsten Monate und sogar Jahre wird sicher noch vielfältige Aspekte zu diesem Thema offenbaren, die wir hier weiter betrachten werden. Wechseln wir nun jedoch das Thema und wenden uns dem Recruting zu.

Selten hatten wir einen Arbeitsmarkt, der so sehr durch eine Stärke der Arbeitssuchenden geprägt ist, wie das aktuell der Fall zu sein scheint. Kaum ein Arbeitgeber sucht nicht nach geeignetem Personal und hat Schwierigkeiten, seine offenen Stellen zu besetzen. Da überrascht es nicht, dass in einer Befragung der HR-Beratung Königsteiner Gruppe, an der 1000 Jobsuchende teilgenommen haben, weitaus häufiger die Jobsuchenden selber abgesagt haben, als dass die Arbeitgeber eine Absage erteilt haben. 34 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich selbst entschieden haben, den angebotenen Job nicht anzunehmen, während in nur 19 Prozent der Fälle die Arbeitgeber abgesagt haben. 42 Prozent der Jobsuchenden sagten, ab, weil sie ein Angebot gefunden haben, das besser zu ihrer Persönlichkeit passte. Weitere wichtige Gründe waren: Ein Angebot mit einem besseren Gehalt (35 Prozent) oder Jobs, die noch besser auf die persönlichen Qualifikationen passten (29 Prozent). Die Studie zeigt auch, dass die Jobsuchenden inzwischen klare Anforderungen haben, was zum Beispiel die Reaktionszeiten der Arbeitgeber betrifft. 72 Prozent der Kandidaten möchten nicht länger als zwei Wochen auf eine Rückmeldung warten, was nicht mal ein Drittel der Arbeitgeber erfüllte. Weitere Gründe für mögliche Absagen durch die Bewerber waren ein zu langwieriger Bewerbungsprozess, ein unpersönlicher Kontakt oder ein nicht mehr zeitgemäßes Verfahren. Die Anforderungen der Jobsuchenden an ihre Arbeitgeber sind insgesamt deutlich gestiegen, sodass man durchaus davon sprechen kann, dass inzwischen mehr die Arbeitnehmer die Arbeitgeber auswählen als die Arbeitgeber ihr Personal. Dieses ist zweifelsohne eine große Herausforderung für viele Unternehmen, die händeringend nach Fachkräften suchen, und es ist auch eine gute Chance für die Mitarbeitenden sowohl die für sie persönlich passenden Aufgabengebiete als auch eine gute Bezahlung zu finden.

Eine weitere interessante Befragung legt das Hernstein Institut für Management und Leadership vor. In einer Studie unter 1500 Führungskräften der DACH-Region wurde die Frage der aktuellen Mitarbeiterführung untersucht, insbesondere ob Führungskräfte zunehmend die Rolle des Coaches ihrer Mitarbeitenden ausüben. 90 Prozent der Befragten sehen die Führungskräfte künftig in der Rolle des Coaches. Ich habe mich bereits mehrfach kritisch dazu geäußert, das aus meiner Sicht die Aufgaben Führungskraft und Coach nur in Grenzen zusammenpassen. Als Coach habe ich keine eigenen Interessen. Als Führungskraft habe ich das immer und zusätzlich auch die Interessen des mich bezahlenden Unternehmens zu berücksichtigen. Ich werde also sicher nicht uneingeschränkt Coach meines Mitarbeiters oder meiner Mitarbeiterin sein können, da Interessenkonflikte vorprogrammiert sind. Dennoch geht sicher die Entwicklung in die richtige Richtung, wenn wir das Thema dahingehend interpretieren, das zunehmend unterstützend und mit Coaching-Techniken geführt wird. 70 Prozent der Befragten halten es übrigens für wahrscheinlich, dass die aktuelle Entwicklung vor allen Dingen eine Reaktion auf den zunehmenden Fachkräftemangel ist. Die Führungskräfte selbst stellen sich, wie schon in vielen Befragungen vorher, wieder einmal ein ausgezeichnetes Zeugnis aus, denn 84 Prozent der Führungskräfte waren der Meinung, dass sie bereits coachend führen. Leider gibt die Studie keinen Aufschluss darüber, wie das Bild auf der Seite der Mitarbeitenden aussieht, denn wir haben schon in vielen Befragungen feststellen müssen, dass meist eine deutliche Diskrepanz zwischen dem Selbstbild der Führungskräfte und dem kritischen Spiegelbild der Geführten besteht. Wie auch immer dem sei, der Trend geht jedenfalls in die richtige Richtung, denn ohne Frage sind klassische Führungsmethoden, die vor allem auf Hierarchie und auf „law and order“ basieren, nicht mehr zeitgemäß. Coachingkompetenzen zu besitzen und unterstützend zu führen, ist zweifelsohne für die Führungskräfte der Zukunft der richtige Weg.

Zum Abschluss dieser Betrachtungen noch eine Studie, die wieder einmal belegt, dass Geld nicht motiviert. Das Gehalt ist ein klassischer Hygiene-Faktor (nach Herzberg), der ggf. unzufrieden macht, aber nicht motiviert. Dieses Ergebnis wurde schon in vielen Studien belegt, aber es macht nichts, auch noch eine Studie der Internationalen Hochschule zu betrachten, die dafür gut 2000 deutsche Angestellte zwischen 18 und 65 Jahren befragt hat. In dieser Studie führten die Befragten aus, dass ihre Motivation sinkt, wenn das Gehalt zu gering ausfällt (27,2 Prozent) oder wenn zu wenig Anerkennung und Wertschätzung vorhanden ist (27,1 Prozent). Das gegenteilige Ergebnis, also dass aus einem höheren Gehalt auch eine größere Motivation entstehen würde, lässt sich aus dieser Studie wieder einmal nicht ableiten, denn die Befragten haben keineswegs ein besseres Gehalt als größten Motivator genannt. 31,4 Prozent stimmten vielmehr der Aussage zu, dass das Interesse an ihrer jeweiligen Aufgabe ihr größter Motivator sei. Ein höheres Gehalt landete mit 24,7 Prozent der Befragten gerade einmal auf Platz sieben (!) der motivierenden Faktoren. Eine angemessene Bezahlung, die als leistungsgerecht empfunden wird, wird heute als selbstverständlich wahrgenommen und motiviert deswegen nur temporär oder gar nicht mehr. Vielmehr schon sind Anerkennung und Wertschätzung auch klassische Motivationsfaktoren, die mit 31,1 Prozent auf Platz zwei der Nennungen landeten.

Die Anforderungen an Führungskräfte sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Aktuell scheinen wir allerdings so etwas, wie einen Booster zu erleben, denn die vielen Krisen, die aktuell unsere Welt erschüttern, machen es den Führungskräften nicht leicht. Mit diesem Thema haben sich meine Kollegin Kristin Scheerhorn und ich auch schon mehrfach in unserem New Leaders Club Podcast, indem wir speziell den Blick auf die aktuelle Lage der Führung richten und immer wieder versuchen, Ihnen Tipps und Anregungen aus dem Bereich New Work und New Leadership mit auf den Weg zu geben, auseinandergesetzt. Auch diesen Podcast finden Sie auf fast allen großen Podcast-Portalen. Vielleicht haben Sie ja einmal Lust, reinzuhören.

Alle hier zitierten Studien wurden veröffentlicht in der Ausgabe 10/2022 von managerseminare.

Für alle Führungskräfte, die sich gerne Coachingkompetenzen aneignen möchten, um noch erfolgreicher führen zu können, gibt es unter folgendem Link Informationen zu meinen Seminarangeboten zu diesem Thema.

Erfolgreich führen mit Coachingkompetenz


Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Auf dem Jakobsweg – 10 Fragen an Karl-Heinz Bahr

Zum Hintergrund:
Karl-Heinz Bahr und ich kennen uns aus gemeinsamen Zeiten in der Sparkassenorganisation. In schwierigen Phasen von Fusion und Reorganisation hatten wir aus unseren Funktionen heraus, oft unterschiedliche Stand- und Schwerpunkte zu vertreten: Karl-Heinz Bahr als Vorsitzender der Personalvertretung und ich als Vorsitzender des Vorstandes. Nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Sparkassendienst ist Karl-Heinz Bahr auf den Jakobsweg gegangen, was Anlass für ein Wiedersehen und dieses Interview war.

Lieber Herr Bahr, schön Sie nach so vielen Jahren wiederzusehen! Ich freue mich, dass Sie bereit sind, Ihre Erfahrungen auf dem Jakobsweg mit meinen Leserinnen und Lesern zu teilen – danke dafür!

Wie lange und von wo nach wo sind Sie auf dem Jakobsweg gewandert?

Ich bin die letzten gut 115 km von Sarria nach Santiago de Compostela gewandert. Hierfür habe ich mir 5 Tage Zeit genommen.

Wie kam es zu dem Entschluss, auf den Jakobsweg zu gehen, eher spontan oder war das schon lange geplant?

Das war kein spontaner Entschluss. Inspiriert wurde ich durch Harpe Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“. Mit meiner Entscheidung einen Altersteilzeitvertrag abzuschließen, kam dann auch die Idee, das Arbeitsleben mit einer Wanderung auf dem Jakobsweg zu beenden und sich auf dem Weg Gedanken über den „letzten“ Lebensabschnitt zu machen.

Wie haben Sie Ihre Reise organisiert, was waren dabei die größten Herausforderungen?

Ich habe gewissermaßen die „Luxusvariante“ gebucht. Meine Unterkünfte waren im Vorwege gebucht und mein Gepäck wurde von einer Unterkunft zur nächsten transportiert, so dass ich nur die Tagesverpflegung tragen musste. Ein Kollege hatte mich auf einen Veranstalter aufmerksam gemacht, mit dem er gute Erfahrungen gemacht hat. Da ich andererseits ein sparsamer Mensch bin, habe ich die Anreise selbst organisiert. Das war dann auch die größte Herausforderung, weil mich Fragen beschäftigt haben wie: „Klappt das mit den Flügen?“, „Wie komme ich vom Flugplatz in Santiago zu meiner Unterkunft?“, „Wie komme ich von Santiago nach Sarria?“, „Was ist mit den Corona-Bestimmungen?“ und noch ein paar weitere eigentlich belanglose Fragen, die haben mich aber so beschäftigt, dass ich auch über eine Stornierung der Reise nachgedacht habe.

In der Nachbetrachtung war alles kein Problem. Ich habe mir unbegründete Gedanken gemacht.

Sie haben sich entschlossen, allein zu wandern, warum?
Waren Sie auf Ihrer Wanderung dann auch tatsächlich allein?

Hört sich komisch an, aber ich wollte mein bisheriges Leben betrachten. Was war gut, was hätte ich anders machen können? Und dann gewissermaßen den Reset-Knopf drücken und überlegen: Was kommt jetzt? Was will ich mit der „neuen Freiheit“ anfangen? Es ist ja nicht nur mein Arbeitsleben zu Ende gegangen, auch familiär gibt es Veränderungen. Zwei meiner drei Kinder sind aus dem Haus und die Dritte ist mit ihren 15 Jahren auch so weit, dass sie mehr und mehr ihren eigenen Weg geht.

Grundsätzlich war ich allein. Aber es gab immer wieder Momente, in denen ich mit anderen „Wanderern“ zusammengegangen bin und wir uns unterhalten haben.

Welche Begegnung wird Ihnen besonders in Erinnerung bleiben und warum?

Da kann ich keine einzelne Begegnung herausheben. Es sind so unterschiedliche Menschen jeden Alters auf diesem Weg, dass jede Begegnung etwas Besonderes ist.

Rückblickend betrachtet: Was war die größte Herausforderung auf Ihrer Wanderung? Was war das schönste Erlebnis?

Die größte Herausforderung war für mich, erst einmal anzukommen, mich auf den Weg einzulassen. Am ersten Tag bin ich viel zu schnell losgegangen. Nach knapp 3 km war ich schon so aus der Puste, dass ich mich gefragt habe: „Was mache ich hier überhaupt?“
„Warum laufe ich eigentlich so schnell?“

Als schönstes Erlebnis möchte ich dann doch zwei nennen.

Das war am vierten Tag als ich kurz vor meinem Tagesziel durch einen Eukalyptuswald ging. Vor mir weit und breit kein Mensch, hinter mir auch niemand zu sehen, es war tolles Wetter, eine sehr schöne Landschaft und ich war nur für mich. Das war ein schöner Moment, den ich sehr genossen habe.

Das Zweite war die Ankunft in Santiago. Der Moment: Ich habe es geschafft! Ich bin 115km in fünf Tagen gegangen und mir geht es gut. Und dann die unbeschreibliche Atmosphäre in Santiago.

Man sagt: „Auf dem Jakobsweg findet man zu sich selbst!“ Ist Ihnen das gelungen und wenn ja, wie war dieses Erlebnis?

Ja, das ist mir gelungen. Aber es hat etwas mehr als einen Tag gebraucht.

Es war gut, mir mal in Ruhe und mit ausreichend Zeit, Gedanken über mein bisheriges Leben zu machen. Diese Zeit habe ich mir vorher zu wenig genommen.

Was bleibt von dieser Reise als dauerhafte Erkenntnis übrig?

Es war eine schöne Erfahrung und da ich ein bisschen Tagebuch geführt habe, kann ich mir diese Zeit immer wieder vor Augen führen.

Und ich werde mir wieder so eine Auszeit gönnen. Ich bin davon überzeugt, es tut Seele und Körper gut und ich hätte es schon viel früher machen sollen.

(mit einem Lächeln) Außerdem sollte ich mein Englisch aufbessern. Ich habe mich schon geärgert, dass ich mich nicht besser verständigen konnte.

Würden Sie nochmal auf den Jakobsweg gehen und wenn ja, was würden Sie anders machen?

Ob ich noch mal auf den Jakobsweg gehen werde, weiß ich noch nicht. Aber ich werde so eine Wanderung noch einmal machen. Und dann nicht die Luxusvariante, sondern mit wenig Gepäck und ohne vorgebuchte Unterkünfte. Man braucht auch nicht viel Gepäck. Wenn man ein T-Shirt 3 Tage anzieht – das merkt doch keiner. Die ungefähre Strecke und Teiletappen festzulegen, ich glaube, das reicht.

Und ich war ja anschließend noch in Paris. Das war dann zu viel. Ein Folgeprogramm würde ich also nicht mehr machen. Vielleicht einen Tag extra am Zielort, aber mehr auch nicht.

Wie Sie wissen, arbeite ich inzwischen als Business Coach und häufig mit Klienten, die sich beruflich in sehr herausfordernden und stressbeladenen Situationen befinden. Würden Sie meinen Klienten eine Wanderung auf dem Jakobsweg empfehlen und welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit es ein positives Erlebnis wird?

Das kann ich nicht eindeutig beantworten. Es ist ein guter Weg, um zu entschleunigen. Aber ich muss es wollen. Es kann kein anderer sagen, Du musst es tun.

Wichtig war für mich, mich um nichts anderes zu kümmern, Job und Familie dürfen keine Rolle spielen.

Mir war zwar wichtig, meiner Frau per WhatsApp zu schreiben, was ich gemacht habe und wie es mir geht. Wir haben aber nicht telefoniert. Das war vorher auch so abgesprochen und für mich war es gut so. Und für meine Frau war es auch in Ordnung.

Zum Abschluss: Wenn ich Ihre Frau fragen würde, ob die Wanderung auf dem Jakobsweg Sie verändert hat, was würde sie mir sagen?

Vielleicht nicht, dass ich mich verändert habe, aber bewusster mit der Zukunft umgehe. Insofern hat es mir für die Gestaltung des Ruhestandes sehr gut geholfen.

Lieber Herr Bahr, ich bedanke mich sehr für dieses Gespräch!

Sehr geehrter Herr Porten, ich bedanke mich ebenfalls bei Ihnen, dass wir nach so langer Zeit mal wieder miteinander reden konnten. Ich hatte schon länger das Bedürfnis, mich mit Ihnen über Ihre Zeit nach der Sparkasse auszutauschen. Vielen Dank auch von mir für das Gespräch.

Alle Fotos in diesem Blogbeitrag wurden mir freundlicherweise von Karl-Heinz Bahr zur Verfügung gestellt. Die Bildrechte liegen bei Herrn Bahr.

Entscheidungen treffen ist immer wieder ein Thema auch im Coaching. Viele Menschen empfinden es oft als schwierig und belastend und schieben die Entscheidungen deshalb auf. Das aber macht es in der Regel nicht einfacher – im Gegenteil.

Nichts im Leben ist umsonst – alles hat einen Preis, denn wofür auch immer ich mich entscheide, ich muss dafür auf etwas anderes verzichten. Für uns selbst die richtigen Entscheidungen zu treffen, nimmt uns niemand ab. Für uns selbst sind wir immer verantwortlich. Darum handeln Sie überlegt und reflektiert und befragen Sie sowohl Ihren Kopf als auch Ihren Bauch. Dann aber entscheiden Sie, schieben Sie die Entscheidungen nicht endlos auf. Denn bekanntlich gilt auch: Ist die Entscheidung getroffen, sind die Sorgen vorbei.

New Leaders Club Podcast: Neue Folge jetzt online!

Führungskräfte sind auch nur Menschen – Tipps und Hilfestellungen, die beim Umgang mit den vielen negativen Themen, die aktuell den Führungsalltag vieler Leitenden bestimmen, geben Kristin Scheerhorn und ich in unserer aktuellen Podcastfolge.

Hört doch mal rein!

Die Folge findet Ihr auf fast allen großen Podcastplattformen.

Hier ist der Link zu Spotify.

Segeberger Literaturtelefon

Für die neue Runde des Segeberger Literaturtelefons durfte ich am Samstag wieder einen Beitrag aufnehmen und bedanke mich dafür bei den Initiatoren, insbesondere Ursula Michalak sehr herzlich. Gelesen habe ich aus dem gerade erschienenen zweiten Band meiner Reihe “Das knallrote Cabrio” (“Freie Fahrt für Ihre Gedanken – 52 neue Impulse zur Selbstreflexion”). Angesichts der vielen beunruhigenden Nachrichten, mit denen wir alle aktuell konfrontiert sind, habe ich mich bewusst für einen etwas humorigen Impuls entschieden. Er heißt: “Maus im Haus” Euch allen also demnächst viel Spaß bei meiner Lesung im Segeberger Literaturtelefon.Wer nicht warten möchte: Mein Buch gibt’s natürlich schon überall im Buchhandel oder auch direkt signiert und portofrei bei mir.

#positivegedanken

#positivegefühle

#dasknallrotecabrio

#selbstreflexion

Die Krise ist auch eine Chance – nur eine Floskel?

In jeder Krise steckt auch eine Chance!

„Was für eine Plattitüde!“, geht es Ihnen sofort durch den Kopf? Sie haben Recht, dieser Spruch wird manchmal inflationär eingesetzt und das macht es für viele Menschen schwer, ihn zu akzeptieren bzw. auch nur etwas tiefgründiger über ihn nachzudenken.

Doch schauen wir in die Historie, dann finden wir so viele Zitate von Menschen, denen wir nahezu alle mit Hochachtung begegnen dürften, dass in diesem Satz doch ganz offenbar ein wahrer Kern enthalten sein muss. Sie möchten wissen, wen z.B. ich meine? Drei Angebote:

„Wir sollten von den Chinesen lernen – die haben das gleiche Schriftzeichen für Krise und Chance.“

Carl-Friedrich von Weizäcker

„Im chinesischen besteht das Wort Krise aus zwei Schriftzeichen – das eine bedeutet Gefahr, das andere Gelegenheit.“

John F. Kennedy

„Jede Krise hat nicht nur ihre Gefahren, sondern auch ihre Möglichkeiten.“

Martin Luther King

Eine Krise, der wir uns alle ausgesetzt sahen und sehen, ist die Covid 19 Pandemie. Ich erinnere mich gut an meine eigene Situation, als im März 2020 quasi innerhalb von zwei Tagen der gesamte Auftragsbestand des Jahres aus meinem Kalender verschwand. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen im Bereich Training und Coaching berichteten ähnliches. Keine Frage, meine gesamte Brache war schlagartig in eine Krise geraten.

Inzwischen sind wir zwei Jahre weiter und können ganz gut bewerten, welche Chancen auch darin steckten. Viele Kunden und Anbieter haben sich auf online-Formate eingelassen, neue Formen des Lernens haben sich entwickelt und entwickeln sich immer noch. Neue Prioritäten wurden gesetzt und die Digitalisierung bekam einen Schub, der lange überfällig war.

Ich musste für mich auch eine Neubewertung der Situation vornehmen und habe mich entschieden, den online-Boom weitgehend nicht mitzumachen. Es ist einfach nichts, dass mir Freude bereitet, mein Leben noch mehr als ohnehin notwendig vor dem Bildschirm zu verbringen. Also was tun, mit dem Gewinn an Zeit, den ich plötzlich hatte?

Ich entschied mich, ein Projekt umzusetzen, dass ich schon jahrelang vor mir herschob: ein Buch! „Ich will unbedingt noch ein Buch zur Selbstreflexion schreiben!“ Diesen Satz hatten viele meiner Freunde oder Kollegen in den letzten Jahren schon ziemlich oft von mir gehört. Aus meinen zahlreichen Coachings der letzten 10 Jahren hatte ich mehr als genug Stoff für das Buch, nur die Zeit und Ruhe zum Schreiben hatte mir bislang immer gefehlt. Jetzt war plötzlich alles da: Die Welt drehte sich langsamer, die Ruhe war spürbar, Zeit hatte ich auch, das war meine Chance. Also los!

Auch ich hätte in eine depressive Stimmung verfallen können, ins Jammern, wie schlimm das alles ist. Das ist im Übrigen ja ein nur allzu menschlicher spontaner Reflex. Ich gehe gleich noch darauf ein, was inzwischen aus meiner Entscheidung, jetzt endlich „mein“ Buch zu schreiben, geworden ist, doch vorher möchte ich noch einen wichtigen Aspekt mit Ihnen betrachten.

Klar ist, auch für mich war das Jahr 2020 wirtschaftlich nicht erfreulich, denn alle Gruppenveranstaltungen fielen aus und nur mit Einzelcoachings sind „schwarze Zahlen“ schwer zu erreichen. Ich konnte mir das zum Glück gut leisten, denn ich verfüge über weitere Einkommensquellen und muss nicht ausschließlich von meiner Tätigkeit als Trainer und Coach leben. Wenn ich das so erzähle, dann entgegnen wir meine Gesprächspartner oft: „Ja, Du hast leicht reden!“

Und jetzt sind wir genau an dem zentralen Punkt, den ich mit Ihnen vertiefen möchte. Es ist ein Missverständnis, dass es „leicht“ ist, die Chance in der Krise zu sehen und zu ergreifen. Das hat niemand, auch niemand von unseren prominenten Zitategebern, gesagt. Ich glaube, dass ist auch genau der Punkt, warum es vielen inzwischen so schwerfällt, den Satz mit der Krise als Chance zu akzeptieren. Viele interpretieren hinein, dass es leicht ist, die Chance zu ergreifen und das ist es selbstverständlich nicht. Es ist im Gegenteil meistens sogar sehr schwer, die Chance zu finden und zu „an den Hörnern zu packen“. Die Chance ist oftmals gar nicht offensichtlich, sondern will gesucht und gefunden werden – von jedem einzelnen. Die Chance zu ergreifen ist häufig mit Entbehrungen und schmerzhaften Phasen verbunden. Es ist oftmals notwendig ein tiefes Tal zu durchschreiten, bevor man den nächsten Gipfel erklimmen kann. Der eine muss vielleicht umschulen, der andere seine Selbständigkeit aufgeben. Wieder andere können vielleicht endlich ihre Idee verwirklichen und müssen dafür ihre Angestelltenposition aufgeben, was auch nicht leichtfällt und mit Risiken verbunden ist. Vor allem aber muss ich mich in der Krise mit mir selbst beschäftigen, meine eigene Situation analysieren und für mich ganz persönlich die richtigen Schlüsse ziehen. Sich mit sich selbst zu beschäftigen, ist niemals leicht.

Die Krise tut also oftmals weh, ist unangenehm und unbequem – und dennoch immer auch eine Chance. Das es leicht ist, diese Chance zu ergreifen, ist aus meiner Sicht das zentrale Missverständnis, mit dem wir aufräumen müssen.

Die Chance sieht auch nicht für jeden gleich aus. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen mussten aus wirtschaftlichen Gründen den online-Boom mitmachen, ob sie wollten oder nicht. Obwohl – und da fängt es an – eigentlich ist das falsch. Sie hätten auch andere Möglichkeiten gehabt, die aber vielleicht zu schmerzhaft waren. Und auch wenn der ein oder andere den online-Trend dann eher widerwillig aufgegriffen hat, er hatte auch damit plötzlich neue Möglichkeiten der Weiterentwicklung, der Neuausrichtung, des neuen Einrichtens in einer neuen Arbeitsform und vieles mehr. Einfach war es sicher nicht, vorhanden waren die Chancen aber allemal, was viele erfolgreiche Weiterentwicklungen von Anbietern in meiner Branche beweisen.

Einen der wichtigsten Aspekte in diesem Thema fasst die Journalistin Nina Ruge sehr gut zusammen, wenn sie sagt: „Akzeptiere ich, dass jede Krise eine Chance ist, dann nehme ich ihr ein großes Stück der Macht über mich.“

Und so schließt sich der Kreis und ich möchte nochmal zu meinem ersten Buch, dass ich in 2020 geschrieben habe, zurückkehren. Denn Nina Ruge geht genau in die Richtung, die ich in meinen Coachings immer wieder erlebt habe und warum ich glaube, dass Selbstreflexion so wichtig ist. Bin ich Opfer der Krise oder Gestalter der Chance – das eine fühlt sich furchtbar an, das andere jedenfalls viel besser. Immer wieder erlebe ich, wie meine Klienten ihre Gedanken ändern und damit neue Energie tanken, Kräfte freisetzen und sich von Fesseln, die sie so lange zurückgehalten haben, befreien.

So ähnlich war es schließlich auch bei mir. Als ich die Ruhe und Zeit zum Schreiben hatte, änderte sich auch mein Blick für die Natur, denn ich schreibe meistens draußen im Garten. Die Eichhörnchen begegneten mir immer häufiger, ich begann zu fotografieren und schließlich sprachen mich meine Freunde an, ich solle doch aus meinen Bildern „etwas“ machen. Als Coach konnte ich nicht einfach ein Eichhörnchenbuch schreiben und so entstand ein Selbstcoachingbuch, für dass 200 Bilder und das Leben des Eichhörnchens den Rahmen bilden. Und inzwischen ist auch mein zweiter Band mit Impulsen zur Selbstreflexion erschienen. In gut zwei Jahren habe ich also drei Bücher geschrieben und veröffentlicht. Es war die Chance, die ich gesucht hatte, Spuren zu hinterlassen, dabei Freude zu haben und auch noch die Natur zu genießen. Dazu brauchte es die Krise, denn sonst hätte ich mich wohl nicht darauf eingelassen, sondern wäre weiter dem vollen Terminkalender gefolgt.

Auch wenn es nicht leicht ist, jede Krise ist auch eine Chance.

Ergreifen Sie ihre Chance!

Falls Sie Lust haben, finden Sie weitere Informationen zu meinen Büchern übrigens gerne hier.

PREVIEW: Das knallrote Cabrio Band 2 erscheint am 21.02.2022

In wenigen Wochen ist es soweit:

FREIE FAHRT FÜR IHRE GEDANKEN
DAS KNALLROTE CABRIO
BAND 2

erscheint am 21. Februar 2022 und bietet wieder 52 neue Impulse zur Selbstreflexion.

Mit frischen Impulsen durch das Jahr 2022!

Taschenbuch, 270 Seiten

Das Buch kann ab sofort bei mir vorbestellt werden, signiert und kostenfrei direkt nach Hause!

Einfach eine Mail an: post@marioporten.de

Natürlich sind auch Band 1 “Das knallrote Cabrio – 52 Impulse zur Selbstreflexion” und “Inspiration Eichhörnchen – Ein Leitfaden für Ihr Selbstcoaching” weiterhin erhältlich.

Mehr Infos zu meinen Büchern finden Sie auf meiner Bücherseite.