Arbeitswelt und Führung: aktuelle Trends und Umfragen, Ausgabe 23.06.2022

Wie schon häufig, so liegen auch in diesem Sommer weniger Studienergebnisse vor als dies in anderen Jahreszeiten der Fall ist. Daher belasse ich es in diesem Monat bei diesem kurzen Blogartikel, der nicht als Podcast erscheint.

Die Karriereplattform Jobteaser kommt in einer Befragung mit 3.200 Teilnehmenden in Deutschland und Österreich zu dem Ergebnis, dass sich aktuell offenbar viele junge Menschen Sorgen um ihre berufliche Zukunft machen. Die befragten jungen Talente sorgen sich vor allem um die Zukunft ihrer Karriere, was 78% der Studierenden und gar 87% der Absolventinnen und Absolventen auf Jobsuche angaben. Die Hälfte der Befragten hat gar Angst, seinen Lebensunterhalt nicht finanzieren zu können und 48% haben Angst, dass gar nicht genug Jobs vorhanden sein könnten. Die aktuellen Entwicklungen auf der Welt, wie eine für viele Menschen erstmalig erlebbare Inflation oder ein Krieg in Europa gehen also alles andere als spurlos an jungen Menschen vorbei. Auch Corona hinterlässt Spuren: In Zeiten, in denen Onboarding vor allem virtuell stattfindet, haben 20% auch Angst im Unternehmen bzw. in ihrem Team gar nicht Fuß fassen zu können.

Das Trendence Institut hat sich in einer großen Befragung von 5.400 Teilnehmenden dem Thema Arbeitszufriedenheit zugewandt. Im Ergebnis zeigten sich 53% der befragten Führungskräfte aktuell im Job zufrieden, 26% sogar sehr zufrieden. Bei Mitarbeitenden ohne Führungsfunktion fielen diese Werte mit 48% bzw. 20% etwas niedriger aus. In jedem Fall sollten Arbeitgeber aus diesen Zahlen aber nicht den Schluss ziehen, dass ihre Mitarbeitenden nicht abwanderungsgefährdet sind, denn der Markt wird offenbar trotzdem gut sondiert. 35% der Befragten zeigten sich offen für Angebote und weitere 26% sondieren zumindest von Zeit zu Zeit regelmäßig den Arbeitsmarkt. 13% gaben an, aktiv auf der Suche nach einer neuen Herausforderung zu sein. Es wäre also fatal aus den aktuellen Zufriedenheitswerten zu schließen, dass kein Abwanderungspotential besteht. Nach wie vor zeigte sich in dieser Befragung übrigens das Gehalt als Hauptgrund, warum ein Stellenwechsel in Betracht gezogen würde: 67% würden für mehr Geld den Arbeitgeber wechseln.

Zum Schluss noch ein Studienergebnis, dass wir besonders gefällt, weil es auf einen Leitsatz, den ich immer wieder verwende, einzahlt: „Weniger ist mehr!“

Eine Professorin an der Darden School of Business in den USA hat Experimente durchgeführt und herausgefunden, dass Menschen das Potential der Subtraktion deutlich unterschätzen. Anders ausgedrückt, wir neigen viel mehr dazu, mehr zu tun bzw. etwas hinzuzufügen als etwas wegzulassen, obwohl das zum gleichen oder gar einem besseren bzw. effizienteren Ergebnis führen würde. In einem Experiment sollten die Probanden beispielsweise eine Legoplattform stabilisieren, was möglich war, indem man einen einzigen Baustein entfernte. 59% der Probanden fügten aber lieber mehrere Bausteine hinzu. Diverse weitere Experimente führten zu vergleichbaren Ergebnissen, so dass die Studienautorin zu dem Ergebnis kommt: „Menschen übersehen systematisch Möglichkeiten, die Welt durch Subtraktion zu verändern.“

“Wenn es besser werden soll, muss es leicht sein!”
Thomas Baschab

Also: Wir alle sollten erstmal schauen, ob man nicht einfach etwas weglassen bzw. etwas nicht mehr tun könnte, bevor wir die Dinge immer komplexer und schwieriger gestalten.

Hurra, am besten wir fangen sofort damit an…!

Alle zitierten Studien wurden veröffentlich in der Juliausgabe von manangerseminare.

Der MP Impuls zur Selbstreflexion vom 11.06.2022: Glücklich sein

„Ich möchte ein glückliches Leben führen!“

Das sagte vor ein paar Wochen einer meiner Coachingnehmer zu mir. Er war – wie man schon erahnen kann – im Moment alles andere als glücklich. Er hatte berufliche, familiäre und gesundheitliche Probleme, alles war gerade etwas zu viel. Kein Wunder, dass er nicht glücklich war.

„Ok, was macht Dich glücklich?“, fragte ich meinen Klienten und der sah mich schweigend an.

Mein Klient soll nur der kurze Aufhänger für diesen Beitrag sein, ich möchte auf ihn nicht weiter eingehen. Bei ihm konnte ich sehr gut verstehen, dass er gerade nicht benennen konnte, was ihn glücklich macht, zu groß waren seine Sorgen. Doch das, was sich auch bei ihm in diesem Moment zeigte, habe ich inzwischen oft erlebt: Alle Menschen suchen das Glück und wollen glücklich sein und wenn ich dann Sie dann frage, wonach sie konkret suchen, bekomme ich keine Antworten.

Was macht uns glücklich? So oft wird diese Frage gestellt, so viele Bücher handeln davon, sogar eine eigene Forschung, die Glücksforschung, befasst sich damit. Und damit ich bitte nicht falsch verstanden werde: Die Ergebnisse sind sehr interessant und spannend. Ich lese immer wieder darüber.

Für mich ist dennoch schon die Frage, was macht uns glücklich, falsch. Es gibt nichts, was uns glücklich macht, denn Glück ist individuell. Es gibt nur mein Glück, Ihr Glück und das eines jeden einzelnen. Deshalb ist für mich die Suche nach dem Glück immer gleichbedeutend mit einer Einladung zu der interessantesten Reise, die man im Leben antreten kann: Die Reise zu sich selbst!

Auch meinen oben erwähnten Klienten habe ich eingeladen, die Reise anzutreten, was er gerne tat. Wir müssen zunächst über uns selbst lernen, dann erst finden wir alle unser Glück. Diese Reise ist nicht einfach und sie geht auch nicht schnell. Sie geht nicht in einer Etappe und sie muss vielleicht im Laufe der Zeit wiederholt werden. Sie ist das Gegenteil einer All-inklusiv-Pauschaleise. Die Erkenntnisse über mich selbst wachsen nicht wie reife Früchte auf den Bäumen, die einfach nur gepflückt werden müssen. Manche Erkenntnisse sind sogar tief vergraben und müssen mühsam gesucht und ausgegraben werden. Ohne diese Erkenntnisse aber ist das Glück nicht zu finden.

„Ach ja und übrigens: Wenn ich dann endlich glücklich bin, dann möchte ich es für immer bleiben!“

Ja, wer würde nicht gerne für immer glücklich sein? Aber wie wollten Sie feststellen, dass Sie gerade glücklich sind, wenn es keinen anderen Zustand mehr für Sie gibt? Glücklich ist man hoffentlich immer wieder, aber niemals ständig. Das Glück ist kein Dauerzustand, hoffentlich aber ein häufiger.

Drei wesentliche Erkenntnisse gewannen fast alle meine Klienten und auch ich selbst auf der Suche nach dem glücklichen Leben:

Die erste Erkenntnis, zeigt sehr schön sich einem Zitat von Buddha, der gesagt hat:

Glücklich zu sein hat vor allem mit uns selbst zu tun, mit der Erkenntnis, was uns guttut. Das sind, zumindest in unserer gut situierten westlichen Welt, nur selten materielle Dinge. Auch die Glücksforschung zeigt uns seit vielen Jahren, dass die glücklichsten Menschen nicht in den reichsten Ländern dieser Erde leben.

Die zweite Erkenntnis bringt ein berühmtes Zitat von Wilhelm Busch gut zum Ausdruck:

Damit kommt vor allem eine innere Haltung zum Ausdruck, denn wer das Glück sucht, der muss zu allererst bereit sein, es auch finden zu wollen. Erst wenn ich mit voller Achtsamkeit durch die Welt gehe, werde ich es finden. Denn das Glück ist meist schon da, ich muss es nur sehen. Das fällt vielen Menschen verständlicher Weise heute schwer, weil der Stress zu groß, der Terminkalender zu voll und der Blick mit Problemen verstellt ist. Der Weg zu Glück, führt daher immer zuerst zu mir selbst zurück.

Ich gebe Ihnen dazu ein kleines Beispiel aus meinem eigenen Erleben, das sich gerade vor ein paar Tagen zugetragen hat. Es fällt mir spontan ein, weil ich auf eine Frage meiner Frau eine Antwort gegeben habe, nach der sie gar nicht gefragt hat. Ich war schon ein paar Stunden auf, als sie morgens zu mir auf die Terrasse kam und mich fragte: „Geht es Dir gut?“
Ich sagte: „Und wie: Die Morgensonne scheint, der frische, heiße Kaffee schmeckt wunderbar, die Vögel zwitschern und sonst ist es still, die Eichhörnchen huschen durch den Garten – mehr brauche ich nicht zum Glücklichsein.“

Sie merken, es geht nur um mich. Es ist mir egal, was jemand anderes darüber denkt, ich wurde gar nicht danach gefragt, aber ich war in diesem Moment glücklich. Wahrscheinlich hat auch die Anwesenheit meiner Frau unbewusst dazu beigetragen, auch wenn ich das nicht gesagt habe. So ist es übrigens sehr oft, viele Dinge finden in unserem Unterbewusstsein statt und gerade das macht es nicht einfacher, sich wirklich bewusst zu werden, was uns glücklich macht.

Ich erlebe aktuell so viele Menschen, die nach mehr als zwei Jahren Corona-Pandemie geradezu daraufhin fiebern, einige Dinge endlich wieder tun zu können: Konzerte besuchen, große Partys feiern, reisen und vieles mehr. Es ist vielleicht auch eine Zeit, die gut geeignet ist, sich zu fragen, was von alledem macht mich wirklich glücklich? Was führt mich zu mir, was ist nur Schein.

Schließlich bleibt noch die dritte Erkenntnis, dass Glücklichsein kein Dauerzustand ist. Glücklich ist man im Moment und je häufiger diese Momente des Glücklichseins sind, desto glücklicher ist das Leben. Ein Dauerzustand ist Glücklichsein nicht.

Für mich ist es inzwischen ein sehr angenehmer Zustand, zu wissen, dass die Reise zu mir und damit zum Glück niemals zu Ende sein wird. Ich werde immer über mich dazu lernen, mein Bewusstsein und meine Achtsamkeit weiterentwickeln und so immer wieder das Glück finden. Wahrscheinlich vor allem dann, wenn ich es gar nicht bewusst gesucht habe.

Nun sind Sie an der Reihe:

Was macht Sie glücklich?

Ich weiß, es ist unfair, Ihnen gleich diese „Monsterfrage“ zu stellen. Sehen Sie es als Einladung, die Reise zu sich selbst und damit zum Glück heute zu beginnen, falls Sie es nicht längst getan haben. Und wenn Sie möchten, fangen Sie mit ein paar Fragen an, die vielleicht etwas leichter zu beantworten sind.

Was tut Ihnen gut?

Was wärmt Ihre Seele?

Was können Sie besonders gut genießen?

Was von dem, was Sie schon lange nicht mehr getan haben, möchten Sie unbedingt mal wieder tun? Warum?

Was möchten Sie unbedingt vermeiden, weil es Ihnen nie gutgetan hat?

Ich wünsche Ihnen eine wunderbare, spannende und erfüllende Reise!

Der MP Impuls zur Selbstreflexion vom 16.04.2022

Ich spiele sehr gerne Darts. Aktuell spiele ich mangels eines vorhandenen Gegners ein Trainingsspiel gegen den Robot, einen virtuellen Gegner auf dem Tablet.

Ich schaue auf mein Scoreboard und habe 99 Punkte Rest. Ich ärgere mich, denn 99 ist ein Finish, dass man sich als Darts-Spieler nicht gerne stehen lässt. Es ist die einzige zweistellige Zahl, die man nur mit drei Pfeilen auf Null spielen kann, denn es gibt keine Möglichkeit, mit nur einem geworfenen Pfeil auf eine gerade Zahl zu kommen, die ein Finish ermöglicht. Das wären Zahlen von 40 und kleiner oder eben 50 für das sogenannte Bullseye -Finish – nichts davon geht. Also kann man nur mit drei Pfeilen auf Null kommen, was wiederum bedeutet, ich werde – im besten Fall – nur eine Chance auf das acht Millimeter breite Doppelfeld, das am Ende eines jeden Lecks unbedingt getroffen werden muss, um zu gewinnen, bekommen. „Du Depp“, ärgere ich mich. „Jetzt spielst du schon ungefähr 10 Jahre Darts, und immer wieder passiert dir so ein Rechenfehler.“

Manchmal landet einfach ein Pfeil, nicht da, wo er sollte, und dann hat man ein Finish, das man gar nicht wollte. Das gehört dazu und passiert. In meinem Fall war es aber so: Ich habe einfach schlecht gerechnet. Es war, wie die Darts-Spieler sagen, ein „Miscount“. Nun habe ich also 99 Rest. Mein virtueller Gegner wird wahrscheinlich seine Zahl nicht auschecken und im Hintergrund höre ich die Stimme vom Tablet gerade sagen: „Eightyfive!“ Damit ist klar, ich komme nochmal dran.

Ich schaue auf das Scoreboard, mein virtueller Gegner hat noch 40 Punkte Rest, was bedeutet, wahrscheinlich wird er mit der nächsten Aufnahme dieses Leg beenden. Ich bin also unter Druck, wenn auch nur gegen mich selbst. Die 99 Punkte müssen weg. Eben habe ich mich noch geärgert, aber mit Ärgern kann man nicht Darts spielen. Dann fliegen die Pfeile ganz schlecht und in diesem Moment sagt der virtuelle Caller auch schon: „Mario, you require 99.“ Mario, Du hast noch 99 Punkte, die gelöscht werden müssen. Also muss ich mich neu orientieren: Fokus auf den Weg. Ich entscheide mich für Triple 19, 10, Doppel 16. Wie fast immer im Darts gibt es viele Wege, die 99 Punkte zu löschen, und viele Doppel, die man am Ende spielen kann. Eigentlich spiele ich Doppel 16 gar nicht so gerne. Ich bin Linkshändler und das Doppel liegt links unten auf dem Bord. Die linken Doppel unten sind für mich schwieriger zu treffen, aber die Entscheidung steht.

Also Fokus auf das Board, Ärgern ist vorbei. Jetzt ist Konzentration angesagt.

Erster Pfeil: Triple 19 – sitzt! Auch so ein nur acht Millimeter breites Feld und meistens werfe ich daran vorbei.

Zweiter Pfeil: In die große 10 – sitzt! Noch einmal kurz absetzen: Von 10 auf Doppel 16 heißt einmal quer rüber über das Bord auf die andere Seite. Einen einzigen Versuch habe ich.

Dritter Pfeil: Doppel 16 – sitzt!

„Yes!“, entfährt es mir. Wie man sich doch selbst unter Druck setzen kann: Ich spiele ja nur gegen den Computer, aber das ist genau das, was ich möchte, die Simulation des echten Spiels. 99 Punkte gelöscht!

Ich spiele zwar schon viele Jahre Darts, aber ich bin nur ein Hobbyspieler, und ich würde sagen, in etwa acht von zehn Fällen klappt das mit dem 99er Finish eher nicht und ich muss ein weiteres Mal an das Board. Diesmal wäre ich wahrscheinlich nicht mehr dran gekommen, denn ich hatte ja schon gesagt, mein Gegner hatte nur noch 40 Rest. Es ist ein wunderbarer Moment des Erfolges. Ich merke wie das Adrenalin durch meine Adern schießt. Ich freue mich, aller Ärger ist verpufft und der Freude gewichen.

Was war der Schlüssel zum Erfolg?

Zwei Dinge waren der Schlüssel zum Erfolg, erstens: Akzeptanz.
Ich wollte die 99 nicht, aber ich habe mich verrechnet. Ich musste sie akzeptieren. Alles andere war sinnlos, ohne Akzeptanz ging es nicht. Das ist im Darts-Sport immer so: Man muss akzeptieren, was man auf dem Bord geworfen hat und sei es noch so blöd.
Zweiter Punkt: Fokussierung. Alle Konzentration, aller Fokus auf die Aufgabe. Diese Aufgabe heißt: 99 Punkte löschen. Ärger ausblenden, Konzentration hochfahren. Wahrscheinlich spiele ich deswegen so gerne Darts. Es ist eine wunderbare Schule des Lebens. Es geht alles sehr schnell, ich habe nicht viel Zeit zu überlegen. Ich muss viele Dinge automatisiert abrufen können. Ich muss schnell rechnen können. Ich muss die Spielkombinationen, die auf Null führen, auswendig können. Und schließlich muss ich sehr schnell Entscheidungen treffen, wenn man ein Pfeil nicht da landet, wo er landen sollte und ich das korrigieren muss. Es nützt nichts, sich lange zu ärgern, sondern man muss sich immer wieder schnell neu fokussieren und konzentrieren. Man wird aber auch – zumindest ab und zu – durch wunderbare Ergebnisse wie dieses 99er Finish belohnt.

Für diejenigen, die sich im Darts nicht so auskennen, nochmal kurz die Erklärung:

100 wäre ganz anders gewesen. Man hätte die Zahl mit zwei Pfeilen löschen können: Triple 20 = 60 Punkte und Doppel 20 = 40 Punkte. 99 geht eben nur mit drei Pfeilen und ist deshalb viel schwieriger.

Darts ist eine wunderbare Schule des Lebens, für Konzentration, für Fokussierung und für die Fähigkeit, den Ärger ganz kurz aufflammen zu lassen, aber sofort bei Seite zu legen und sich davon nicht vereinnahmen zu lassen. Sonst geht es nämlich nicht, wer sich über sich selbst ärgert, verliert am Bord jede Konzentration und hat keine Chance.

Wie geht es denn Ihnen gerade?

Was müssen Sie gerade akzeptieren?

Worauf möchten Sie sich fokussieren?

Was ist gerade Ihre Schule des Lebens?

Nehmen Sie an, was ist und fokussieren Sie sich auf Ihre aktuelle Aufgabe!

Viel Erfolg wünsche ich Ihnen dabei und natürlich auch ein besonders schönes Osterwochenende.

Der MP Impuls zur Selbstreflexion vom 02.04.2022

Freitagmorgen 10 Uhr und ich habe mich gerade an den Frühstückstisch gesetzt, da klingelt das Telefon: „Unverhofft kommt oft, Du kannst mich abholen!“ Es ist die vertraute Stimme meiner lieben Frau, die für ein paar Tage im Krankenhaus weilen musste. Eigentlich hatten wir uns beide darauf eingestellt, dass sie auch das kommende Wochenende noch wird im Krankenhaus verbringen müssen.

„Ich bin Corona positiv und werde sofort entlassen.“ Hoppla, geht es mir durch den Kopf, was ist denn das? Bei der Einweisung musste meine Frau natürlich einen PCR-Test machen und der war negativ, sonst wäre sie gar nicht aufgenommen worden. Gestern hatte meine Frau für wenige Minuten mit einer Patientin im Zimmer gelegen, die offensichtlich auf Corona positiv getestet wurde. Daraufhin musste meine Frau auch sofort einen erneuten Test machen und der war jetzt positiv.

„Es ist nur ganz schwach“, sagte meine Frau. „Die Ärztin sagt, sie dürfte damit weiterarbeiten, aber als Patientin muss sich in Quarantäne und da ich kein akuter Fall bin, können sie das hier nicht händeln – zu viele Quarantänefälle. Deswegen werde ich sofort entlassen.“

Okay, ob ich noch frühstücken kann? „Ja, das darfst Du, ich brauche hier noch eine Stunde, dann kannst Du mich abholen.“

Nun bin ich schon etwas verwirrt und – ob ich will oder nicht – merke ich, wie meine Gedanken anfangen, zu arbeiten: Was heißt denn, als Ärztin dürfte sie weiterarbeiten – als Patientin muss sie in Quarantäne. Das ist aber eine eigenartige Corona-Auslegung, denke ich mir und was heißt: Wir können das hier alles nicht mehr händeln. So viel Personal ist schon ausgefallen? Ja, das höre ich im Moment von allen Seiten. Überall sind zahllose Menschen wegen einer Corona-Infektion in Isolation. Wo soll denn das bloß enden, denke ich mir. War nicht morgen, nein übermorgen, am Sonntag, der Tag, an dem die Maskenpflicht fallen soll, ab dem man dann wieder in den Geschäften ohne Maske einkaufen kann? Wie soll das weitergehen, wie soll bloß das öffentliche Leben aufrechterhalten werden, wenn dann die Infektionszahlen nochmal sprunghaft ansteigen werden?

Ich merke, wie auch in meinem Kopf zwei Dinge wild durcheinander gehen: Ich freue mich! Ich darf meine Frau abholen, die ambulant weiterbehandelt wird. Ich werde also das Wochenende nicht allein verbringen müssen und das ist eine gute Nachricht. Außerdem hatte ich vor etwa drei Wochen selbst Corona und bin jetzt dreifach geimpft und genesen. Damit sollte ich mehr als genug Abwehrkräfte haben, um mich nicht noch einmal bei meiner Frau anzustecken. Außerdem ist die als so schwach infiziert diagnostiziert worden, dass gar keine Ansteckungsgefahr besteht. In Quarantäne muss sie aber trotzdem.

Irgendwie geht doch gerade alles etwas durcheinander oder nicht?

Vielleicht geht es Ihnen ja auch so und das gar nicht mal nur beim Thema Corona. Ganz oft haben wir Situationen, in denen das, was wir gerade erleben, zunächst widersprüchlich anmutet, und wir haben Schwierigkeiten, die Widersprüche aufzuklären und zu verarbeiten. Dann ist es oftmals gar nicht zu verhindern, dass unser Gedankenkarussell in Gang kommt. Was mag da wohl hinter stecken? Was wäre, wenn? Wie soll das nur weitergehen? Wie wird es wohl werden, wenn alles noch schlimmer wird?

Alles sehr menschliche und verständliche Fragen, aber ich merke auch sofort: Meine Handlungsfähigkeit schränken diese Fragen massiv ein. Da hilft es, sich wieder einmal an den Spruch von zwei Coachkollegen zu erinnern, die in einer schönen Veranstaltung einmal auf einen Flipchart geschrieben haben:

Was ist, ist.

und

Was nicht ist, ist nicht.

In diesem Moment hilft mir das gerade, mich selbst zu sortieren.

Was ist:

Meine Frau wird in einer Stunde entlassen, ich darf sie abholen und das ist eine gute Nachricht. Meiner Frau geht es so gut, dass sie problemlos ambulant weiterbehandelt werden kann und nach Hause darf. Meine Frau hat eine Corona-Infektion mit so schwachen Werten, dass sie nicht als ansteckend definiert ist, aber trotzdem den Vorschriften entsprechend in häusliche Isolation muss. Ich bin dreifach gekämpft und genesen und für mich besteht keine Ansteckungsgefahr. Ich muss auch nicht in Quarantäne. Das also sind die Fakten!

Alles andere ist nicht und was noch kommen wird, kann ich auch gar nicht beeinflussen. Ob alle Entscheidungen, die unsere Politik getroffen hat, richtig sind, liegt völlig außerhalb meines Einflussbereiches. Was vielleicht in zwei Wochen ist, wenn die Masken Pflicht gefallen ist, ob wir dann nochmal ganz andere Infektionszahlen haben, ob dann das öffentliche Leben vielleicht stillsteht, was dann vielleicht kommt, das alles ist unklar – das ist (jetzt) nicht! Ich kann es auch nicht beeinflussen. Es macht keinen Sinn, dass ich mir darüber jetzt Gedanken mache. Also gieße ich mir einen schönen frischen Kaffee ein und genieße mein Frühstück. Dann ziehe ich meine Schuhe an, setze mich ins Auto und fahre los.

Jetzt ist erstmal der Moment, in dem ich mich freue, dass ich meine Frau aus dem Krankenhaus abholen kann, und dann verbringen wir ein schönes Wochenende.

Was ist, ist. Was nicht ist, ist nicht. Vielleicht hilft auch Ihnen diese so simple Reduzierung auf das Wesentliche mit dem Gedankenkarussell in der ein oder anderen Situation besser klarzukommen.

Was geht Ihnen gerade aktuell so durch den Kopf?

Wo drehen sich Ihre Gedanken und eine innere Stimme sagt: „Oh, wie soll das bloß noch alles werden?“

Vielleicht sind Sie aber auch gerade ganz klar in Ihren Gedanken und treffen für sich Entscheidungen basierend nur auf den Fakten?

Was ist, ist. Das gilt es anzunehmen, und alles andere ist eben nicht.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

Arbeitswelt und Führung: aktuelle Trends und Umfragen, Ausgabe 30.03.2022

In diesem Monat möchte ich mich auf drei aktuelle Umfragen beschränken. Die Zukunft der Arbeitswelt ist nach wie vor massiv in Bewegung und immer wieder sehen wir, wie deutlich sich die Veränderungen abzeichnen und wie heftig sie ausfallen könnten.

Das „optimale Arbeitsmodell der Zukunft“ wird nach wie vor gesucht, wenn es so etwas überhaupt in allgemeiner Form geben kann, woran ich meine Zweifel habe. Vieles spricht jedoch dafür, dass hybrides Arbeiten so etwas wie das neue Standardmodell werden könnte. Dies jedenfalls legt eine aktuelle Befragung des Dienstleisters Accenture nahe, die in 11 Ländern (darunter auch Deutschland) unter Beteiligung von 9.000 Personen durchgeführt wurde. 83% der Befragten hielten in dieser Studie hybrides Arbeiten für optimal. Solche Ergebnisse haben wir zuletzt bereits in zahlreichen anderen Studien gesehen. Besonders interessant erscheinen daher in dieser Studie, die explizit herausgearbeiteten Gründe. Dabei wurde sowohl erfragt, warum die Menschen von Zeit zu Zeit ins Büro gehen wollen und auch was besonders für das Arbeiten von zu Hause spricht.

Gemäß dieser Studie waren die fünf wichtigsten Gründe für das Büro:

  • der bessere Zugang zu Technik (27%)
  • der Face-to-Face-Kontakt zu den Kollegen (25%)
  • eine bessere Arbeitsroutine (23%)
  • eine mehr inspirierende Innovationsumgebung (22%)
  • eine bessere Sichtbarkeit bei Führungskräften (22%)

Bei den Nennungen der Gründe für die Arbeit im Homeoffice fällt generell auf, dass Zustimmungswerte zu den genannten Aspekten höher ausfallen. Die fünf wichtigsten waren:

  • wir fühlen uns zu Hause sicherer (34%)
  • bessere Lebensqualität (32%)
  • mehr Freiheit und Flexibilität (31%)
  • sehr gute technische Ausstattung, um produktiv zu arbeiten (30%)
  • ausreichend Platz für produktives Arbeiten vorhanden (28%)

Gerade wenn wir auch an frühere Befragungen denken (ich erinnere daran, dass Bewerber sich teilweise gar nicht mehr bei Unternehmen bewerben wollen, die kein Homeoffice anbieten), dann scheint hybrides Arbeiten dort, wo es sachlich möglich ist, kaum noch aufzuhalten. Wie unterschiedlich die persönlichen Situationen nach wie vor wahrgenommen werden, zeigt sich jedoch an dieser Befragung wieder einmal recht deutlich.

Wenn sich aktuell so viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer neu orientieren (siehe mein Blogartikel aus dem letzten Monat), dann stellt sich natürlich auch die Frage, welches die entscheidenden Gründe, bei der Auswahl des neuen Jobs sind. Die Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu hat für ihre Studie rund 1.600 Teilnehmende nach den Wohlfühlfaktoren im Job gefragt. Besonders interessant in dieser Befragung ist die Differenzierung, wie die einzelnen Faktoren einerseits konkret im Job und andererseits im Leben allgemein bewertet werden.

57% der Befragten fanden Arbeitszeit im Job besonders wichtig, im Leben allgemein sogar 62%. Das Gehalt fanden im Job 45% besonders wichtig und im Leben allgemein 49%. Diese beiden Aspekte zeigen sich – wieder einmal – als die wichtigsten Teilkomponenten, wobei sich der Trend fortsetzt, dass Arbeitszeit immer häufiger deutlich vor dem Gehalt liegt. Für ein besseres Gehalt würden die meisten Menschen übrigens auch mehr leisten: 59% sagten, sie seien für ein höheres Gehalt auch bereit, mehr Aufgabenverantwortung zu übernehmen. 36% wären auch für (mehr) Personalverantwortung offen.

Spannend finde ich persönlich auch die Ergebnisse zum Thema Wertschätzung: Während im Job 55% diesen Aspekt wichtig fanden, waren es im Leben allgemein nur 36%. Das lasse ich mal so stehen… .

Die vergangenen zwei Jahre haben viele Menschen mit für sie überwiegend neuen Formen der Zusammenarbeit konfrontiert. Gleichzeitig stiegen die Unsicherheiten und Gefahren im Arbeitsalltag für viele Menschen sprunghaft an. Manch einem fiel es schwer, weiterhin „er selbst zu sein“, sich also authentisch und für seine Kolleginnen und Kollegen berechenbar zu verhalten. Doch ist Authentizität überhaupt wichtig? Eine Studie der ComTeam Group (ein Consulting- und Trainingsunternehmen), für die 1.166 Personen befragt wurden, kommt zu sehr eindeutigen Ergebnissen: Neun von zehn Menschen ist Authentizität wichtig! Die Teilnehmenden wurden auch gefragt, wie es um ihre eigene Authentizität bestellt ist. 86% gaben an, dass sie sich „voll und ganz“ oder zumindest „eher“ ihren Werten entsprechend verhalten. Fast genauso viele bleiben nach eigenen Aussagen ihren Werten treu.

Wenn diese Zahlen richtig sind, dann dürften Unternehmen in der Praxis mit einem Mangel an Authentizität kein Problem haben. Ob dem in Ihrem Unternehmen so ist, müssen Sie selbst beurteilen. Klar ist: Je stärker sich Mitarbeitende bei der Arbeit mit ihren eigenen Werten identifizieren können, desto stärker ist auch die Identifikation mit und damit die Bindung an den Arbeitgeber.

Die Arbeitswelt ist in Bewegung, Europa insgesamt ist in Bewegung geraten und nicht alle aktuellen Bewegungen können wir begrüßen. Wie auch immer sich die Konjunktur, die Auftragslagen und die Veränderungen im Wertegefüge der Menschen weiter entwickeln werden, die Auswirkungen auf die Zusammenarbeit in den Unternehmen werden spannend bleiben. Ich werde Sie weiter im Blick behalten.

Alle zitierten Umfragen wurden veröffentlicht in der Ausgabe 4/2022 von managerseminare.

Verzerrtes Selbstbild

Für mich als Coach ist Selbstreflexion eines der Hauptarbeitsfelder mit vielen Klienten. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Selbstreflexion, weil ich überzeugt bin, dass dies für Führungskräfte und Manager, vielleicht sogar für Menschen ganz allgemein, eine der wichtigsten Kompetenzen überhaupt ist.

Erfreulicher Weise liegt auch die Wissenschaft zu diesem Thema immer wieder einmal Studienergebnisse vor. Gerade in unseren aktuellen Zeiten ist Selbstreflexion wichtiger denn je. Wir leben in einer Zeit des Overflows von Informationen, viele davon wirken auch sehr negativ oder gar bedrohlich auf uns. Die letzten Jahren haben uns gelehrt, dass viele Dinge passiert sind, die wir nicht für möglich gehalten haben. Da kann es leicht passieren, das sich unser Gedankenkarussell zu schnell dreht und wir Orientierung und Sicherheit verlieren.

Gerade in Zeiten wie diesen ist Selbstreflexion so wichtig. Sonst besteht leicht die Gefahr, dass wir manche Dinge oder auch uns selbst überschätzen und daher falsche, im Nachhinein teure und oftmals schwer umkehrbare Fehlentscheidungen treffen.

Dieser Gefahr unterliegen wir alle – sie wird jedoch umso größer je höher der soziale Status einer Person bzw. ihre Stellung in der Hierarchie ist. Zu diesen Ergebnissen kommt jedenfalls ein Forscherteam um die Sozialpsychologin Jazmin Brown-Iannuzzi von der Universität Virginia. In einem Experiment mit 250 Teilnehmenden konnten die Forscher zeigen, dass Teilnehmende mit einem vermeintlich hohen sozialen Status ihre eigene Kompetenz höher bewerteten als die anderer. Außerdem bewerteten Sie andere Personen stärker als voreingenommen und weniger kompetent.

Diese Ergebnisse sind, wie ich finde, auch gut nachvollziehbar. Wer gewohnt ist, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu tragen, neigt auch dazu, sich ungewollt leichter zu überschätzen.

Auch der Schlussfolgerung der Forscher kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung, sowohl als ehemaliger Manager und erst recht als Coach, voll zustimmen. Die Studienautoren kommen zu dem Ergebnis, dass es gerade für Führungskräfte und Personen mit subjektiv hohem sozialen Status besonders wichtig ist, offen für Selbstreflexion und die Meinung anderer Menschen zu sein – ein Selbstschutzmechanismus, der insbesondere vor Fehleinschätzungen schützt!

In meiner Arbeit habe ich inzwischen viele Klienten “in den Spiegel schauen” lassen und dazu angehalten, sich selbst zu fragen, welche anderen Gedanken, sie auch mit der Situation verbinden könnten. Andere Gedanken, andere Schlussfolgerungen, anderes Handeln! Häufig bekomme ich ein Feedback, das sehr erfreulich ist, denn meine Klienten empfinden diesen Blick im Nachgang oft als ausgesprochen hilfreich.

Inzwischen habe ich viele der Geschichten meiner Klienten auch in zwei Büchern festgehalten, die sich dem wichtigen Thema der Selbstreflexion widmen. Sie sind in meiner Buchreihe “Das knallrote Cabrio” erschienen und bieten jeweils 52 kurzweilige Impulse zur Selbstreflexion an.

Vielleicht haben Sie ja auch Lust, Ihre Selbstreflexionskompetenzen auszubauen und einmal in Ihren Spiegel zu schauen. Mit dem obigen Link gelangen Sie auf die entsprechende Seite des Verlages. Alle Informationen finden Sie auch auf meiner Bücherseite.

An sich selbst zu arbeiten ist eine Lebensaufgabe, die heute wichtiger erscheint denn je. Selbstreflexion, so zeigt uns wieder einmal die Wissenschaft, ist dabei eine Schlüsselkompetenz. Viel Freude wünsche ich Ihnen dabei.

Segeberger Literaturtelefon

Für die neue Runde des Segeberger Literaturtelefons durfte ich am Samstag wieder einen Beitrag aufnehmen und bedanke mich dafür bei den Initiatoren, insbesondere Ursula Michalak sehr herzlich. Gelesen habe ich aus dem gerade erschienenen zweiten Band meiner Reihe “Das knallrote Cabrio” (“Freie Fahrt für Ihre Gedanken – 52 neue Impulse zur Selbstreflexion”). Angesichts der vielen beunruhigenden Nachrichten, mit denen wir alle aktuell konfrontiert sind, habe ich mich bewusst für einen etwas humorigen Impuls entschieden. Er heißt: “Maus im Haus” Euch allen also demnächst viel Spaß bei meiner Lesung im Segeberger Literaturtelefon.Wer nicht warten möchte: Mein Buch gibt’s natürlich schon überall im Buchhandel oder auch direkt signiert und portofrei bei mir.

#positivegedanken

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